Tages-Anzeiger



Hell, Yeah

Von Rico Scagliola und Michael Meier (Bilder). Aktualisiert am 09.12.2011

Im Zürcher Club Komplex 457: die Szene trifft sich zum Konzert von Amon Amarth. Kurz vor dem rituellen Köpfeschwingen haben wir die Metal-Fans ins mobile Fotostudio und ans Licht gezerrt. Szene-Kenner und Schriftsteller Gion Mathias Cavelty erklärt uns die Kleidervorschriften.

1/13 Die Metal-Fans sind ein freundliches Volk - mit strikten Kleidervorschriften.

   

Cavelty erklärt uns die Metal-Welt
Der Metaller von heute hat es schwer. Angesichts der zurzeit 347 amtlich registrierten Heavy-Metal-Unterspielarten kann er sich im Outfit schnell mal vergreifen. Swedish-Folk-Fun-Power-Symphonic-Speed-Metal, Alternative-Bombastic-Extreme-Christian-Doom-Metal und so weiter – wer kann da noch den Überblick behalten?

Anfang der 1980er-Jahre war die Metal-Welt noch einfach, da konnte man mit langen Haaren, ausgebleichtem Iron-Maiden-Shirt, Röhrenjeans, Patronengurt und «Kutte» eigentlich nichts falsch machen. Eine Kutte ist eine Jeans- oder Lederjacke, die über und über mit möglichst furchteinflössenden Aufnähern der Lieblingsbands ihres Trägers bedeckt ist. Sie darf NIE, NIE, NIE gewaschen werden, sodass sie irgendwann eine Art Eigenleben entwickelt, also zum Beispiel selbstständig stehen kann.

Bei einem Konzert einer modernen Viking-Melodic-Death-Metal-Band wie Amon Amarth ist man mit einem Wikingerhelm, einer gewaltigen Metwampe (auch als Bierbauch bekannt), einem Thors-Hammer-Anhänger und einem 90 Zentimeter langen Rauschebart voll mit dabei.

Stundenlang lässt sich hingegen darüber streiten, welches das beste Corpsepaint für Black-Metaller ist oder wo es die originalgetreusten Nachbildungen von Lemmy Kilmisters prächtigen Wangenfibromen zu kaufen gibt (vor allem für Motörhead-Fans interessant).

Konsens herrscht genreübergreifend eigentlich nur bei einem Ausstattungsstück: dem von der amerikanischen Kult-True-Metal-Band Manowar auf den Markt gebrachten sogenannten «Warriors Shield» – ein Kondom mit «Manowar»-Schriftzug. Ganz nach dem Motto: «Jetzt kannst du nicht mehr nur ‹Fuck the World› sagen, sondern es auch wirklich tun!»

Der Bündner Schriftsteller Gion Mathias Cavelty (37) ist seit seinem dreizehnten Lebensjahr Metal-Fan. Seine Haare wuchsen komischerweise immer nur vorn und nie hinten, sodass er eines Tages einfach nichts mehr sah.

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7 KOMMENTARE

Roxx von MetalFactory.ch

Im Gegensatz zu den Mainstreamlern/Trendlern muss man sich in der Metalszene nicht wie ein solcher Anziehen. Man darf! Natürlich sind wir friedlich. Untereinander halten wir zusammen, was bedeutet dass es selbstverständlich keinen Ärger gibt. Ausnahmen gibt es vor allem, wenn szenefremde Subjekte einlaufen und sich uns gegenüber provokativ verhalten. Grunsätzlich wünsche ich mir für die Schweiz etwas weniger Schubladendenken der einzelnen Genres und etwas mehr Offenheit und Toleranz so wie ich es z.B. in Schweden vorfinde. So könnte man die Kräfte mehr bündeln und gemeinsame Interessen stärker nach aussen vertreten.


Ruedi Meier

Ich bin 38 und seit meinem 8. Lebensjahr mit Metal verbunden. Was Cavelty da schreibt, ist einmal mehr Käse, und zeugt davon, dass er keine Ahnung von der Szene hat. Seit wann gibt es Kleidervorschriften bzw. "Outfits" im Metal? Sowas schreibt einer, der die Szene von aussen betrachtet.


Elanor Graupner

"Die Metal-Fans sind ein freundliches Folk" - Das kann man mit vielen Ausrufezeichen schreiben! Ich bin selbst über 40 und habe bei keinen anderen Konzerten so eine angenehme und rücksichtsvolle Atmosphäre erlebt (ob nun Metallica, Paradise Lost, Jonschwil oder Eluveiti - mal als Beispiele)."Leben und leben lassen", dem anderen auch mal den Vortritt lassen und ein "hei, da warst Du auch, war genial oder?!" Praktisch null Gerempel, man ist happy dass man die Band live erleben kann - und: Amon Amarth sind einfach absolute Spitze!!!! Ein sensationeller Abend!!! Hoffentlich kommen sie bald wieder in die Schweiz, ich bin auf jeden Fall dabei - natürlich mit mindestens einem schwarzen Kleidungsstück...


Stefan Ambühl

Wenn ich jetzt nach einem Arbeitstag im Anzug an ein Slayer-Konzert gehe, fühle ich mich genau gleich vor dem "Angel of Death" (abgesehen, dass man mit einem Anzug nicht unbedingt ins Moshpit sollte, aber die Zeiten sind eh vorbei)... Im Gegensatz zu anderen Musikkulturen ist die Metalszene wohl die offenste - auch was Kleidung angeht. Da könnten sich andere Subkulturen eine grosse Scheibe von abschneiden. Ich sag da nur Pink Panther und Wacken (selber googeln).


Peter Lüthi

Metal is Religion! Auch wenn ich 58 Jahre auf dem Buckel und keine Haare mehr am Schädel habe! Das geht auch so. 'It is not his creed nor his nationality which counts - it's the man himself.' - Willie Maley


werner ruefenacht

Amon Amarth sind Gott! Heavy Metal ist, die einzige, Religion. Gion Cavelty ist der King. - Schade zeigt uns der Tages-Anzeiger 1 einziges, mickriges Foto. Wie wärs mit mehr? Vielen Dank, und mehr von Cavelty jederzeit


Daniel Küttel

Ein wahrer Metaller ist man im Herzen, und nicht auf den Klamotten, sind ja schliesslich keine Girlies (obwohl einige Mädels dürfen an den Konzerten schon mal T-shis hochheben). Wahre Unterstützung der Idole findet statt, indem man ihre Werke nicht illegal im Netz saugt, sich stets an den Konzerten das eine oder andere Merchandise kauft, und nicht nur dass man mit dem Geld, mittels Saufen, den Club unterstützt. Dabei spielt es für mich absolut keine Rolle ob jemand komplett in schwarz, pink, grün oder weiss rum rennt. Viel wichtiger und das grösste Lob ist doch für eine Band wenn ihre Mucke bis weit in die Lebensjahre begeistern kann, und das hat Amon Amarth definitiv geschafft. Metal forever!!! (auch wenn ich keinen Bierbauch, keine schwarzen Klamotten und keine langen Haare habe



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