Tages-Anzeiger



Kein Kind von Traurigkeit

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 04.08.2010

Die Zürcherin Valeska Steiner hat eine neue Band. Im Duo Boy spielt sie mit einer Hamburgerin beschwingten Pop.

Spass haben, Songs basteln: Valeska Steiner und Sonja Glass verbreiten skandinavisches Flair.

Spass haben, Songs basteln: Valeska Steiner und Sonja Glass verbreiten skandinavisches Flair.


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Da soll noch einer sagen, Deutsche und Schweizer könnten nicht miteinander. Valeska Steiner (Zürich) und Sonja Glass (Hamburg) harmonieren hervorragend und brillieren mit wohlgemutem Pop. Da sind Songs, die galoppieren glückselig wie die Kavallerie nach gewonnener Schlacht; andere laden ein zum Chillen im Indianer-Tipi.

Wie in der deutsch-schweizerischen Politik gehts um eine CD: Das Duo veröffentlich demnächst sein Debüt, und der «züritipp» ist bereits im Besitz des brisanten Datensatzes. Boy erweisen sich als versierte, facettenreiche junge Frauen. Ihr Sound erinnert gelegentlich an Feist, verrät ein Faible für skandinavische Songschreiberinnen wie Nina Kinert, geht aber stellenweise auch als Indie-Pop durch. Und immer mal wieder weisen die Beats den Weg zur Tanzfläche. «Im Kern sind wir wohl Singer-Songwriter», sagt Steiner, «aber wir wollten neues Terrain betreten.»

Nicht, dass Steiner auf unergiebigem Terrain gestanden hätte: Der Mundart-Popper Adrian Stern spielte früher für sie Gitarre. Doch die sommerbesprosste 24-Jährige wollte sich weiterentwickeln, zog nach Deutschland und traf auf Sonja Glass. Die an der renommierten Hochschule der Künste in Arnheim ausgebildete Bassistin hatte Ähnliches im Sinn wie Steiner: «Genre-Grenzen ausloten, Stile kombinieren, die instrumentelle Bandbreite erweitern», so sagt sie es heute.

Ein Jahr lang haben die beiden ihr Baby gehegt und gepflegt. Nun will dieser Boy einfach nur spielen. Ganz gleich wo. «Manche Leute sagen: Konzentriert euch auf Deutschland», so die Zürcherin, «denn wer es da schafft, schaffe es auch in der Schweiz.» Aber das Klima für Pop-Sängerinnen in der Schweiz ist gerade günstig: «Es gab eine Zeit, da hielten alle Ausschau nach der nächsten Sophie Hunger», erinnert sich Steiner; in der Folge etablierte sich eine Reihe junger Songschreiberinnen, darunter Steiners Freundinnen Lea Lu und Fiona Daniel. Es wäre nun an Steiner und Glass, dieser Welle weiteren Schwung zu geben.

Bleibt die Frage: Was wird aus dem Boy, wenn er erwachsen ist? «Na, ein starker Kerl», grinst Glass, «er soll ja schliesslich dereinst unsere Familien ernähren.»

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