Tages-Anzeiger



Der Hendrix aus Mali

Von Hans Keller. Aktualisiert am 23.02.2011

Der 1966 in Mali geborene Kouyate und die Musiker seiner Band Ngoni Ba sind höchst virtuos. Was aber meint Ngoni?

Moderner Erneuerer: Bassekou Kouyate.

Moderner Erneuerer: Bassekou Kouyate.


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Spitzes Klirren, Klickern, Klackern und Scheppern, aber auch schmierige Klänge: All das gibt die Ngoni von sich. Ngoni ist nicht etwa der wohlklingende Name einer ausgestorbenen Tierart, sondern die Sammelbezeichnung für eine Gruppe uralter zentral- und westafrikanischer Saiteninstrumente. Ngonis sehen aus wie seltsame exotische Früchte; der um die 35 Zentimeter lange, bootsförmige Klangkörper besteht aus Holz oder einer Kalebasse und ist normalerweise mit sechs Saiten bespannt.

Noch heute wird die Ngoni in Afrika neben der bei uns bekannteren Kora von vagabundierenden Dichtersängern, sogenannten Griots, gespielt. Erstaunlich ist, dass dieses geradezu mittelalterlich wirkende Instrument in der modernen westafrikanischen Musik sehr kreativ eingesetzt wird. Ngonis sind pentatonisch gestimmt; dass man ihnen auch zündend Bluesiges und Knackiges entlocken kann, beweist vor allem Bassekou Kouyate aus Mali. Der zupft zuerst blechern klingende Einzeltöne schnell hintereinander und lässt dann plötzlich jaulendes Soundgejammer auf den Hörer los. Solches erinnert, jawohl, durchaus an Jimi Hendrix.

Hochinteressant – zu sehen und zu hören im Konzertvideo«Ngoni Ba at G8» – wird es dann, wenn eine ganze Gruppe von Ngoni-Spielern einen irren Soundteppich zusammenwebt, in den sich zusätzlich der Gesang einer Chanteuse flicht. Bei anderer Gelegenheit hat Kouyate auch schon die Nähe der Ngoni zum Banjo betont. Und klargestellt, wie sehr er sich mit seinem Instrument identifiziert:«Wenn du eine Ngoni hast, besitzt du alles, was du brauchst. Trage Sorge dazu.» Ein schöner Auftakt zum letzten Moods-Wochenende des abtretenden Intendanten Dänu Schneider.

Eintritt 38 Franken

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