Tages-Anzeiger



Mit Buddha auf Tuchfühlung

Von Daniel Morgenthaler. Aktualisiert am 30.06.2010

Nirgendwo ist der Buddhismus stärker im Alltag verankert als in Bhutan. Das Museum Rietberg zeigt nun religiöse Kunstwerke aus dem südasiatischen Königreich - und deren Pflege durch bhutanische Mönche.


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Die hiesige Bhutanergemeinde ist sprunghaft gewachsen: Für gewöhnlich leben gerade mal fünf Personen aus dem Land am Rande des Himalaya fest in der Schweiz; nun kommen - wenn auch nur temporär - zwei weitere hinzu. Denn die Exponate der neuen Sonderausstellung im Museum Rietberg brauchen Betreuung: Zeigte man letztes Jahr skulpturale Elemente der Aussenarchitektur von buddhistischen Tempeln, kommen nun für die Ausstellung «Bhutan - Heilige Kunst aus dem Himalaya» deren Inhalte nach Zürich - insgesamt über 100 religiöse Kunstwerke. Und mit ihnen zwei bhutanische Mönche, von welchen sie jeden Vor- und Nachmittag geweiht werden.

Nach einer archäologischen Variante wird nun also Buddhismus von heute geboten. Und das ist Religion zum Anfassen: Die Gebetsmühlen gleich beim Eingang darf man selber drehen. Die prächtigen Thangkas (auf Baumwolle gemalte Bilder, die etwa Geschichten aus dem Leben Buddhas erzählen) hängen unverglast an der Wand. Mithilfe von Videoprojektionen wird man sogar von Bhutanern in traditionellen Kostümen umtanzt.

Dass der bhutanische Buddhismus - die sogenannte tantrische Form - selbst keine Berührungsängste mit weltlichen Angelegenheiten kennt, zeigt sich in der Verehrung von Drukpa Kunley: Der Weise sitzt in Form einer kleinen Bronzefigur in der Ausstellung und hält seine obligate «Dramyen» in der Hand. Mit diesem lautenartigen Instrument soll Drukpa im 15. Jahrhundert seine ansatzweise pornografischen Gesänge begleitet haben. Auch wenn man solche Lieder von den beiden im Rietberg praktizierenden Mönchen nicht erwarten darf: Ihre fünf Schweizer Landsleute werden sich über den Besuch ihres «heiligen Narren» gewiss freuen.

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