Die Melancholie steht ihm gut
Von Reto Bühler. Aktualisiert am 03.03.2010
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«Colin Firth ist so langweilig wie Tom Hanks, aber weniger erfolgreich», meinte unlängst eine Schweizer Bekannte im Rahmen einer nicht repräsentativen Umfrage zur Attraktivität von Colin Firth beim anderen Geschlecht. Da sind die Britinnen anderer Meinung. Seit der legendären Wet-Shirt-Szene in der BBC-Serie «Pride and Prejudice» (1995) gilt Firth auf der Insel als Sexsymbol und wird regelmässig für Kostümdramen gebucht: Sei es als Lord Wessex in «Shakespeare in Love» (1998), als John Worthing in «The Importance of Being Earnest» (2002) oder zuletzt als Lord Henry Wotton im bei uns noch nicht gezeigten «Dorian Gray».
Schwermut im Blut
Doch selbst in zeitgenössischen Geschichten spielt Firth geschickt mit dem aristokratischen Nimbus seines Mr. Darcy. So führt etwa Bridget Jones als Romanfigur ein fiktives Interview mit dem Schauspieler Colin Firth über dessen Rolle in «Pride and Prejudice». Fünf Jahre später revanchiert sich Firth, indem er in der Verfilmung von «Bridget Jones Diary» (2001) in die Rolle des verkorksten Liebhabers Mark Darcy schlüpft.
Als Widersacher stellt man dem Briten gern einen leichtfüssigen Charmeur wie Hugh Grant, Rupert Everett oder Pierce Brosnan gegenüber. Während diese lächelnd zynische Phrasen dreschen, drohen Firths Figuren unter der schieren Last des Weltschmerzes zusammenzubrechen. Die Liebe, welche Frauen an ihn herantragen, zermalmt er mit seinen mächtigen Kiefern, nur um sie als unverständliche Unmutsbezeugungen wieder auszuspucken. Eine Art von Hochmut, den das geübte Frauenauge unschwer als Schutzschild einer geschundenen, aber treuen Seele zu erkennen vermag.
Und die Männer? Heteros sind der weiblichen Firth-Begeisterung gegenüber manchmal etwas ratlos: Firth wirke säuerlich, sagen sie. Tatsächlich ist er selbst in «Fever Pitch» (1997), wo er einen passionierten Fussballfan spielt, von einem kuscheligen Hauch Depressivität umgeben. Dass er nun für Tom Ford in die Rolle des trauernden Literaturprofessors schlüpfte (die ihm eine Oscarnomination einbrachte), klingt somit naheliegend, zumal er selbst 1960 in eine Akademikerfamilie hineingeboren wurde. Ein Heimspiel also? Zu sehr vielleicht, denn wenn Firth keinen zynischen Gegenspieler hat, droht die Melancholie ins Kitschige zu kippen.
A Single Man
| Regie: | Tom Ford |
| Produktion: | USA 2009; 101 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 11.02.2010 |
| Darsteller: | Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult, Matthew Goode, Jon Kortajarena |
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5 KOMMENTARE
spätenstens in der hälfte wird die perfektion der ästhetik längweilig. weil dann aber die geschichte nicht anzieht bleibts flach. da helfen auch die zwei guten schauspielleistungen (Colin & Julianne) neben all den anderen teilweise miserablen akteuren den film nicht zu retten. Viel Lärm um Nichts. Und auch beim Cello wär weniger definitiv mehr gewesen
Zuviele schöne Bilder, schöne Musik und schöne Menschen und zuwenig Substanz ergeben am Ende eine eher zwiespältige Angelegenheit.
Musik und Bilder sind sehr schön und passen gut. Die Handlung wirft ein paar Fragen auf.




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