Affe? Mensch!
Aktualisiert am 28.10.2011
pascal.blum@zueritipp.ch
«Wenn du einen Affen brauchst», sagt man heute in Hollywood, «dann frag Andy Serkis.» Gut, das habe ich jetzt erfunden. Tatsache ist aber, dass der britische Schauspieler in «King Kong» wie auch in «Rise of the Planet of the Apes» einen Affen gegeben hat. Der Rechner setzte seine Mimik jeweils in Animationen um. Nun flucht sich Serkis durch Steven Spielbergs «Tintin»-Trickfilm: als Saufbold Kapitän Haddock.
Vom Menschenaffen zum bärtigen Seebären – eine sinnige Laufbahn. In «The Adventures of Tintin» kippt Haddock gerade gemütlich Spirituosen, da kommt das Milchgesicht Tintin mit seinem blöden Hund daher und nimmt Haddock den Schnaps weg, damit der sich an irgendwas erinnern soll. Tausend heulende Höllenhunde! Da bebt des Kapitäns digitale Kartoffelnase im Einklang mit derjenigen von Serkis.
Apropos Höllenhund: Seinen Einstand als nichtmenschliches Wesen gab Serkis mit dem gequälten Gollum in «The Lord of the Rings». Ein Fell hatte Gollum zwar keines, dafür ein krächzendes Stimmchen, aus dem alle Verzweiflung der Welt drang. Danach wurden Serkis’ Biester immer menschlicher: Vom Höhlenmolch Gollum entwickelte er sich zum Gorilla in «King Kong» und verwandelte sich darauf in den intelligenten Schimpansen aus «Rise of the Planet of the Apes», der die Revolution gegen die Menschen plant.
Haben wir hier nicht den visuellen Beweis für die biogenetische Grundregel, laut der die Entwicklung jedes Individuums die Entwicklung von dessen Stamm nachvollzieht? Kapitän Haddock ist die vorläufige Krone von Serkis’ Schöpfung: nicht mehr Tier, doch noch nicht ganz Mensch. Eine Schnapsdrossel, die zwar fluchen, aber nicht geradeaus gehen kann.
«The Adventures of Tintin» läuft am 27.10. an.



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