Die neue Welt!
Von Bruno Rauch. Aktualisiert am 11.04.2012
Regisseur Frank Castorf ist bekannt für seine im eigentlichen Wortsinn abendfüllenden Bühnenspektakel. Nun nimmt er sich Kafkas Romanfragment «Der Verschollene» vor, geschrieben zwischen 1912 und 1914 bis 1927 postum von Verleger Max Brod unter dem Titel «Amerika» herausgegeben. Dieser hatte das Prosawerk bereits 1957 für die Pfauenbühne dramatisiert. Jetzt also legt das Schiff, das Protagonist Karl Rossmann von Hamburg in die Neue Welt bringt, erneut in Zürich an, sinnigerweise im Schiffbau. Weil er von einem Dienstmädchen verführt wurde, das nun ein Kind von ihm erwartet, schicken die Eltern den 16-jährigen Karl nach New York. Auf diese Weise sollen Skandal und Alimente vermieden werden.
Um die Ankunft auch fürs Publikum erlebbar zu machen, ankert das «Schiff» bei Castorf zuerst im Atrium. Dann begleitetet man Rossmann in die Halle, ins Land der ungeahnten Möglichkeiten, in dessen Verlockungen und Getriebe der grüne Junge schliesslich tatsächlich zum Verschollenen wird. Bei der Dramatisierung habe sich gezeigt, so Dramaturg Roland Koberg, das nicht nur direkte Rede, sondern auch Reflexionen und innere Monologe sehr filmisch formuliert seien. So entsteht die Bühnenfassung ausschliesslich auf den Proben, wo ausprobiert und mitgeschrieben wird, was anderntags zum szenischen Text wird. Bis zur Premiere sollte dieser allerdings definitiv sein.




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