Tüfteln als Passion
Von Philipp Anz. Aktualisiert am 20.05.2010
Mit einem Yahama-Keyboard fing alles an: Die kleine Fiona stellte den Walzer-Rhythmus ein, klimperte darauf herum und sang dazu. Dann kam Vaters Westerngitarre dran - bis die irgendwann kaputtging. Später lernte Fiona Daniel eine Zeitlang Cello und wurde im Female-Funk-Project gesanglich ausgebildet. «Eine eigentliche Instrumentenausbildung hatte ich aber nie», sagt die 22-jährige Zürcherin, «auch wenn ich Piano und Gitarre spiele.» Noten liest sie bis heute nicht gerne: «Meine Stücke komponiere ich so, dass ich mich am Computer auf Video aufnehme und die Passagen anschliessend wieder nachspiele.»
Ähnlich entstehen auch die Texte: «Lange hatte ich überall einen Minidisc-Recorder mit dabei und sang jeweils darauf, wenn mir etwas in den Sinn kam. Heute tippe ich Textfragmente als SMS ins Handy, die ich dann nicht abschicke.» Es ist diese Freude am Musizieren und Improvisieren, die Daniels Debütalbum «Drowning» auszeichnet. Einige Stücke könnte man ins populäre Fach der Singer-Songwriterinnen ablegen, wobei vor allem skandinavische Stimmen wie Ane Brun oder Nina Kinert Daniel beeinflusst haben. Aber zwischendurch rockt es auch oder hebt in verträumte Sphären ab. «Es war mir wichtig, im Studio möglichst viel auszuprobieren und alleine zu machen», sagt Daniel.
So kam auch die Autoharp ins Spiel, ein kleines Harfenmodell, das auf «Within A Minute» und «Daniel» sowie live zum Einsatz kommt. «Ich hatte schon lange eine alte Appenzeller Zither zu Hause, konnte die aber einfach nicht spielen. Ein Freund empfahl mir dann die Autoharp.» Ein breites musikalisches Spektrum ist Daniel auch bei ihren Liveauftritten an der Seite von Cellistin Ronja Rinderknecht und Drummer Frédéric Bürki wichtig: «Ich wollte keine Musiker, die nur ein Instrument spielen. Dass beide Backingvocals singen, einmal ein Glockenspiel oder ein anderes Instrument in die Hand nehmen, war für mich Grundvoraussetzung.»
Bald auch in Shanghai
Die Verspieltheit von «Drowning» wird also auf die Bühne übertragen. Bei allem Ausprobieren und Tüfteln ist Fiona Daniel aber ein erstaunlich kompaktes und stimmiges Debüt gelungen, das von ihrer Stimme getragen wird. Diese Stimme wird ihr nicht nur Hörer in Zürich finden, wo «Drowning» mit einer mehrtägigen Tour in verschiedenen Lokalen präsentiert wird, sondern auch in Shanghai an der Weltausstellung, wohin es danach geht. Und vielleicht auch bald in Skandinavien, wo Fiona Daniel im Kanon der anderen Singer-Songwriterinnen sicher nicht untergehen wird.
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