mit offenem visier
Von Silvio Biasotto. Aktualisiert am 17.03.2010
«Anfang der Achtziger waren die Leute richtig heiss auf die Dance-Kultur», sagt Mike Terranova, «es war neu, dass nicht eine Band ihre Musik spielte, sondern ein DJ fremde Platten mixte. Die Leute hörten viel aufmerksamer zu als heute.» Seit 25 Jahren arbeitet Terranova als DJ. Und obwohl der 45-Jährige auch Minimal und Techno spielt, wird er vor allem als Spezialist für die Achtziger gebucht. Disco, elektronischer Funk und Rap erlebten damals ihre Blütezeit. Es folgten New Wave, Electronic Body Music und House. «Dieses ganze Spektrum wurde damals in einer einzigen Nacht gespielt. Heute kenne ich diese alten Platten besser als meine eigene Hosentasche», sagt Terranova. Dass er über Platten «das Bild dieser Ära retrospektiv neu zusammenstellen kann», reizt ihn. Ihm liegt bei seinen Auftritten auch daran, den Stammbaum der Dance Music offenzulegen. Der DJ als Pädagoge? Terranova macht sich keine Illusionen: «Viele Clubbesucher merken nichts von meiner Absicht.»
Konkurrent Dani König
Schlagartig bekannt geworden war er 1989 als frischgebackener Stamm-DJ des legendären Roxy. «Nicht wenige Konkurrenten und Kenner der Partyszene halten den 26-jährigen Luzerner mittlerweile für den besten professionellen Club-DJ der Limmatstadt», schrieb etwa 1990 der «Tages-Anzeiger». Dabei kam Terranova unverhofft zu diesem Job. Ein Roxy-Barkeeper hatte ihm einen Probeauftritt vermittelt. Es war ein Donnerstag, das Haus voll, und der Luzerner war «voll Ehrfurcht mit einem Migros-Harass voller Platten angereist, weils noch keine DJ-Koffer gab». Was der Auserwählte nicht wusste: Er befand sich in einem geheimen Wettbewerb, die ganze Woche über wurden DJs getestet. Am Ende machte er das Rennen. Zu den Konkurrenten gehörte auch Dani König. «Nach meinem Antritt im Roxy war er jeden Abend vor Ort und schaute mir genau auf die Finger», erinnert sich Terranova amüsiert.
Vier Jahre lang legte Terranova im damals berühmtesten Club der Schweiz auf, fünf Tage die Woche. Abnützungserscheinungen traten ein, als «nach drei Jahren das Stammpublikum gewisse Mixabläufe auswendig kannte», erzählt der DJ. Er selbst konnte «gewisse Platten nicht mehr sehen». Nach seinem Abschied vom Roxy hat er zehn Bananenkisten voll Vinylscheiben verschenkt.
Einige kaufte er später wieder. Denn das Feuer ist geblieben. Das merkte Terranova, als er das DJing wegen einer Toningenieur-Ausbildung kurz an den Nagel hängte. Ihn reizt am Auflegen die Vielfalt. Letzthin erst hat man ihn für einen Hardrock-Abend gebucht. «Ich setze mich immer wieder mit neuen Stilen auseinander - da bleibt der Job automatisch spannend.»
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