Tages-Anzeiger



Im Geiste Luandas

Von Silvio Biasotto. Aktualisiert am 21.07.2010

Zeit für eine neue Musikrichtung - Buraka Som Sistema bringen den Kuduro in die Tanzmusik ein: perkussiv-elektronischen Sound aus Angolas Strassen.

Buraka Som Sistema, wobei Sänger Kalaf DJ J-Wows Kopf einklemmt.

Buraka Som Sistema, wobei Sänger Kalaf DJ J-Wows Kopf einklemmt.


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Es geht rasant zu. Mit vorwärtstreibenden Beats, digital-giftigen Fanfaren, portugiesischen Raps. Die geografischen Koordinaten dieses Stils geben Buraka Som Sistema gleich selber durch: «Luanda Lisboa» heisst das erste Stück ihres Debütalbums «Black Diamonds». Luanda ist die Hauptstadt Angolas, und von dort stammt der Kuduro, ein Strassensound, den Buraka Som Sistema zur Basis ihres digitalen Updates gemacht haben.

Im Namen der Band wiederum steckt das Lissaboner Armenviertel Buraka, die erste Anlaufstelle vieler Einwanderer aus Portugals ehemaligen afrikanischen Kolonien. Keines der vier Mitglieder von Buraka Som Sistema hat jemals in diesem Aussenquartier gewohnt, selbst die beiden angola-stämmigen nicht. Der Bezug ist metaphorisch zu verstehen: Beats aus Angola, die, in Lissabon angekommen, ein neues Leben starten. «New Africas» heisst denn auch ein weiterer Albumtitel.

Somit reiht sich der Kuduro nahtlos in die zahlreichen neueren «Tropic»-Sounds mit Ghettoanleihen ein. Bei Buraka Som Sistema ist das ein bewusster Vorgang: Neben verschiedenen Sprechsängern aus Angola gastiert auch eine bekannte Baile-Funk-Rapperin aus Brasilien auf «Black Diamonds».

Zieldestination: London

Gemacht ist der Sound aber für die nördliche Hemisphäre. Man wolle den Rhythmus des Kuduro aufgreifen und für hiesige Clubnächte tauglich machen, erklärte das Quartett in einem Interview. Diese Kreuzung hat sich auf einschlägigen Blogs schnell verbreitet, lange bevor eine erste Platte greifbar war. Den Durchbruch schafften Buraka Som Sistema dann 2008 mit dem programmatischen Track «Sound of Kuduro». Es rappte die prominente Londoner Polit-Tanzmusikerin M.I.A., der Videoclip wurde in Luanda gedreht.

«Black Diamonds» erschien schliesslich auf dem Label des Londoner Superclubs Fabric, und es mischten sich munter Rave-Signale und Techno-Bleeps, karnevaleske Maschinenbeats und portugiesische Wortsalven. So wird es wohl auch in der Alten Börse zugehen, wenn DJ J-Wow mit Sänger Kalaf einen Partyauftritt gibt - und dabei den Kuduro durchaus auch mit Samples von AC/DC oder The Prodigy versetzt.

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