Tages-Anzeiger



Musik Aktuell Rohstofflager

«Ich bin kein Hausbesetzer»

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 21.10.2009

Martin Frigg vom Rohstofflager kämpft für ein Bleiberecht auf dem Toni-Areal. Es gehe um die Existenz des letzten Technoclubs der Stadt.

«Es hat nicht nur Vorteile, auf einer Baustelle einen Club zu führen»: Das eingerüstete Rohstofflager.

«Es hat nicht nur Vorteile, auf einer Baustelle einen Club zu führen»: Das eingerüstete Rohstofflager.
Bild: Sophie Stieger

Martin Frigg.

Martin Frigg.

Rohstofflager

Adresse: Duttweilerstrasse
8005 Zürich
Telefon: 044 439 90 90
Url: http://www.rohstofflager.ch

Herr Frigg, die Tage des Rohstofflagers auf dem Toni-Areal sind doch gezählt. Warum kämpfen Sie so verbissen weiter?
Es geht um unsere Existenz. Wenn der Firma der Nährboden entzogen wird, wo sie Geld verdienen kann, geht sie zugrunde. Ausserdem wurde das Mietrecht miet Füssen getreten. Das Urteil des Obergerichts hatte formelle Mängel, darum haben wir beim Kassationsgericht eine Beschwerde eingereicht.

Darum verzögert sich der Bau der Hochschule für Künste weiter. Kein schlechtes Gewissen?
Wir nehmen niemandem den Studienplatz weg. Das Projekt der Schule war zeitlich sehr ehrgeizig berechnet. Offenbar dachte niemand an den Mieterschutz, von dem wir nun Gebrauch machen. Darum können die jetzt nicht einfach sagen: Ihr seid die Bösen. Es ist ja nicht so, dass wir nicht zügeln wollen. Im Gegenteil sind wir dafür bekannt, derjenige Club zu sein, der am meisten gezügelt hat in den vergangenen Jahren. Es geht uns also nicht darum, so lange wie möglich auf dem Toni-Areal auszuharren. Das hat ja nicht nur Vorteile, so auf einer Baustelle einen Club zu betreiben.

Was sind die Nachteile?
Das grösste Problem ist die Planung. Wir brauchen mindestens drei Monate Vorlauf, Fremdveranstalter wollen gar ein halbes Jahr im Voraus buchen. Würden wir nur die nächsten zwei Wochen planen, hätten wir keine Chance. Konzerte unter der Woche sind nicht mehr möglich. Erstens ist es dann zu laut, zweitens suchen die Agenturen momentan Locations für März und April. Und die Zufahrt zum Club ist auch nicht ideal.

Kann man so überhaupt noch Geld verdienen?
Es ist ein schwieriges Jahr. Aber wir halten uns tapfer über Wasser. Sicher ist, dass wir bald wieder aus dem Vollen schöpfen wollen. Es ist interessanter, wenn man zukunftsgerichtet arbeiten kann und nicht ständig nur auf Stand-by ist.

Haben Sie eine Ersatz-Location im Auge?
Wir haben verschiedene Standorte geprüft. In der Manegg erteilte uns der CEO der Sihlpapier eine Absage, weil er keine kulturellen Veranstaltungen wollte auf dem Areal. In Oerlikon bekamen die Leute vom Werk 11 kalte Füsse, nachdem wir unser Konzept eingereicht hatten.

Ist man in Zürich skeptischer geworden gegenüber Clubs?
Man will halt keinen Ärger, hat lieber stille Mieter. Gibt es ein passendes Objekt, sei es in Altstetten oder Oerlikon, dann ist auf der linken Strassenseite meistens Industrie und auf der rechten bereits eine Wohnsiedlung. Nächtlicher Verkehr in Quartierstrassen führt aber nur zu Problemen. Die Suche nach einer neuen Location ist auch deswegen schwierig, weil immer mehr Industriegebiet zu lukrativerem Wohnraum umgenutzt wird.

Ist der Kampf ums Rohstofflager auch ein politischer?
Als Linkautonomer wäre ich jetzt ein Held, ein Hausbesetzer. Das bin ich aber nicht. Wir haben einen Mietvertrag, wir nutzen unsere Möglichkeiten. Es geht ums Überleben der Firma, um Arbeitsplätze.

Unterstützt die Szene Ihren Kampf?
Viele hoffen eher, dass wir bald weg sind. Sie wollen an unsere Acts, mit denen uns teils langjährige Freundschaften verbinden. Unsere Gäste sagen uns, dass wir weitermachen sollen.

Warum?
Wir sind der einzige Club, der Techno noch so zelebriert wie vor zehn Jahren. Wir sind kein Gemischtwarenladen. Heute spielen viele Clubs Hiphop, House, R’n’B und Techno querbeet an einem Abend. Das Partymotto, nicht der Künstler steht im Vordergrund. Wir sind der letzte echte Technoclub Zürichs.

Braucht es den überhaupt?
Es ist ein Bedürfnis da. Techno wächst wieder. Minimal war während der Durststrecke gut, weil der in kleinen Räumen funktionierte. Ich habe aber etwas gegen Kellerlöcher. Jetzt ist wieder härterer Techno angesagt. Und der braucht Raum.

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1 KOMMENTARE

Jenny Bertschinger

Ich bin eine treue Rohstofflagergängerin und das Röschti brauchts, wo soll ich denn sonst Techno hören??Ich habe viele super Partys dort gefeiert und hoffe, dass ich dies auch in Zukunft tun kann!!!Die Acts sind einfach immer der Hammer, die Location gefällt mir, der Edeltouch fehlt und das ist auch gut so, an solchen Orten fühle ich mich wohl.Die Rohstofflagerleute sind wie eine grosse Famil



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