Ausser Atem
Von Ralph Hofbauer. Aktualisiert am 10.03.2010
Los Campesinos! sind eine Studentenband par excellence. Die Waliser sehen nicht nur aus wie die Teilnehmer eines Soziologie-Seminars, sie haben sich tatsächlich an der Uni kennen gelernt. Ihr erstes Konzert hat die Band aus Cardiff 2006 an einer Studentenparty gegeben. Dem akademischen Hintergrund zum Trotz klingt ihre Musik keineswegs verkopft. Ihre hyperaktiven Songs eignen sich bestens zur Bewegungstherapie: «You! Me! Dancing!» heisst ihr bis anhin grösster Hit.
Los Campesinos! zehren einerseits vom Indie-Rock-Kanon der frühen 90er und erinnern andererseits an die orchestralen Kollektive, die Mitte der Nullerjahre aufkamen: Sie klingen wie Yo La Tengo nach zehn Tassen Kaffee oder wie Arcade Fire auf Speed. Aufgekratzt und ungestüm rumpelt das siebenköpfige Rock-Orchester durch seine Alben, als Hörer ist man ständigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Wer dem Wirrwarr aus Stimmen, Gitarren, Geigen und Bläsern folgen will, braucht ausserdem eine gute Kondition. Verschnaufpausen gönnen einem Los Campesinos! keine.
Atemberaubend ist auch das Tempo, mit dem die Band neue Platten vorlegt. Ihre ersten beiden Alben haben Los Campesinos! innert eines Jahres veröffentlicht. Anfang Februar ist nun ihr dritter Longplayer «Romance is Boring» erschienen. Wie das Kollektiv auf seinem Blog rapportiert, ist es ein Album über Sex, Fussball, Nervenzusammen- brüche und darüber, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach kein Licht am Ende des Tunnels gibt. Ihre existenzialistischen Botschaften zelebrieren die Waliser mit einer lebensbejahenden Euphorie. Im Hier und Jetzt lachen Los Campesinos! dem Tod ins Gesicht.
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