Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Jerry Cotton

UNSER DEUTSCHER mann BEIM FBI

Von Christoph Schneider. Aktualisiert am 10.03.2010

Aus dem Heftchen ins Kino: Die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert ehren und parodieren den unsterblichen Agenten Jerry Cotton.

Auch ein Traumpaar: Jerry Cotton (Christian Tramitz, rechts) und der Anfänger Phil Decker (Christian Ulmen).

Auch ein Traumpaar: Jerry Cotton (Christian Tramitz, rechts) und der Anfänger Phil Decker (Christian Ulmen).

Jerry Cotton

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Jerry Cotton, das ist der FBI-Mann mit dem Jaguar, der 38er Smith & Wesson und dem ewigen Leben. Erzeugt wurde er in den Retorten des deutschen Bastei-Verlags. Seit 1954 fährt er durch ein New York, das sich bis jetzt über Hundert Autoren für ihn ausgedacht haben, und hält den Leuten seinen Revolver vor die Nase. Des Abends dann, textimmanent weitergedacht, setzt er sich wahrscheinlich hin im zufriedenen Bewusstsein seiner gnaden- losen Rechtschaffenheit und rhapsodiert sich seine unterweltlichen Erlebnisse von der Seele, bis wieder ein Jerry-Cotton-Heftlein in Ich-Form vollgeschrieben ist. Irgendwoher muss das Geld ja kommen, das so ein Jaguar kostet.

Auch auf diese Art kann man zum Klassiker werden. Denn das ist Jerry Cotton in seiner auf- lagenstarken Unsterblichkeit. Aber eben nur auf Papier, das geduldig ist. Lesend hält man es gerade noch aus, dass er etwa so amerikanisch ist wie Winnetou, und so immergleich, dass es schon an Selbstparodie grenzt.

Vielleicht scheitert deshalb das Kino an ihm. Eigentlich dürfte er gar nicht ins sichtbare Leben treten. Nimmt der Film ihn ernst, dann macht er ihn lächerlich. Reine Parodie perlt an ihm ab wie Wasser. Auch der Versuch von Cyrill Boss und Philipp Stennert («Neues vom WiXXer»), den Cotton (Christian Tramitz) gleichzeitig zu ehren und ihm die Hose runterzulassen, hat nur einen Hybriden hervorgebracht. Dabei haben sie ihm doch einiges auf den Agentenweg mitgegeben: anständige Schwierigkeiten (die eigenen Kollegen verdächtigen ihn des Mordes), würdige Gegner, einen trotteligen, aber zur Freundschaft begabten Partner und, Gott behüte, sogar ein Seelenleben und Humor.

Zwischen Ulk und Bierernst

Es hat nichts gefruchtet, von ein paar amüsanten Gangsterkarikaturen abgesehen. «Jerry Cotton», der Film, versandet zwischen Ulk und Bierernst. Nichts regt an, nichts regt auf, und wie es in solchen Fällen halt ist: Der Eindruck, es hätten ein paar begabte Menschen Lebensarbeitszeit verschwendet, ist schnell entstanden.

Übrigens ist unsere Erinnerung an die 1960er-Jahre noch nicht ganz verblasst. Damals hat der Amerikaner George Nader in acht deutschen Filmen den Cotton gespielt, weit lederner und anspruchsloser als Christian Tramitz jetzt. Die Filme waren trotzdem besser. Weil sie schlechter waren in ihrer Grobschlächtigkeit. Sozusagen: werktreuer.

Jerry Cotton

Regie:Cyrill Boss, Philipp Stennert
Produktion:Germany 2010; 95 min.
Genre:Comedy, Crime
Erstaufführung:11.03.2010
Darsteller:Christian Tramitz, Christian Ulmen, Mónica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch

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1 KOMMENTARE

Thérèse Haefele

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Kann's mir nicht verkneifen, aber die Schwester von Penelope ist ja viel hübscher als ihre bekanntere Schwester ;-).



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