Spielball der Politik
Von . Aktualisiert am 23.02.2010
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«Fussball ist ein Gentlemen-Sport, gespielt von Hooligans, und Rugby ein Hooligan-Sport, gespielt von Gentlemen.» In Südafrika, wo Rugby zu Apartheid-Zeiten Weissen vorbehalten war, hat dieser Witz einen Beigeschmack. Die Nationalmannschaft - Springboks genannt - war wegen ihrer Rassenpolitik von internationalen Turnieren ausgeschlossen.
Als 1994 der ANC an die Macht kommt, sollten Name und Trikots des Teams als Symbole der Apartheid entsorgt werden. Doch Nelson Mandela (Morgan Freeman) legt sein Veto ein und erklärt den Burensport zum Vorzeigeobjekt seiner Versöhnungspolitik. Er lädt den Mannschaftskapitän (Matt Damon) zum Tee, und als sich abzeichnet, dass die Springboks an der WM 1995 chancenlos sind, greift er als Motivationscoach ein.
Völkerverbindende Symbolik des Sports
Politiker besinnen sich immer dann auf die völkerverbindende Symbolik des Sports, wenn sie mit ihren Argumenten am Ende sind. Auch hinter Mandelas Rettung der Springboks steckt nicht in erster Linie Sportbegeisterung oder Nächstenliebe, sondern politisches Kalkül. Das Land steht am Rande des Bürgerkriegs, und Mandela weiss, dass er den neuen Staat nur mit der Hilfe der Buren aufbauen kann, die noch immer Schlüsselpositionen besetzen. Doch es braucht schon Mut, sich vor 50 000 Zuschauern das Trikot jener Mannschaft überzuziehen, deren Niederlagen während Jahrzehnten in ganz Schwarzafrika frenetisch gefeiert wurden. Und auch wenn die Errichtung des Post-Apartheid-Staats nicht das Verdienst eines Einzelnen ist: Ohne Mandela wäre sie nicht möglich geworden.
Der inflationär gebrauchte Begriff des «sporthistorischen Ereignisses» ist im Fall der Rugby-WM von 1995 für einmal also angezeigt. Natürlich gibt Eastwood dem Mythos viel Gewicht und zieht alle Register der Dramatisierung. Doch tut er dies mit der wohltuenden Entspanntheit des Routiniers, als Gentleman im Hooligan-Business des Sportfilms sozusagen. Dass man ihm diese Geschichte abkauft, liegt nicht zuletzt an Morgan Freeman, der einen nach wenigen Minuten vergessen lässt, wie der richtige Nelson Mandela aussieht.
Invictus
| Regie: | Clint Eastwood |
| Produktion: | USA 2009; 133 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 18.02.2010 |
| Darsteller: | Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge, Patrick Mofokeng, Matt Stern |
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7 KOMMENTARE
kurt fischer
Der LiveAuftritt von Morgan Freeman an der Vorpremiere von Invictus war sehr beeindruckend: Von seiner sympathischen Art über das unterhaltsame Interview bis zu seiner Leistung im Film. Leider hat er vergessen seinen Filmpartner Matt Damon und vor allem seinen Regisseur - the one and only Clint Eastwood - mitzubringen. Ein Mensch, mit dem ich gerne mal ein Bierchen an der Bartheke trinken würde.
Dani Maurer
Starke Geschichte, toller Morgan Freeman und die Regie von Eastwood, die sich sehr zurückhaltend gibt. Das ergibt einen interessanten Film, der von tollen Darstellern und einer schönen Stimmung getragen wird. Super.
Stefan Jericka
Was für eine tolle Geschichte die hier Eastwood gezaubert hat... und dann noch die Traumbesetzung mit Morgan Freeman der einmal mehr fantastisch spielt.
Daria Stöcker
Hervorragender Film und sehr empfehlenswert. Einmal mehr ein Film von Clint Eastwood, wo wichtige Themen nicht in Vergessenheit geraten sollten.
Thérèse Haefele
Die Unterschrift von Clint Eastwood ist unverkennbar und meisterlich, genauso meisterlich spielt Morgan Freeman Nelson Mandel und Mat Damon mal in einer interessanten Nebenrolle.
Lisa Steiner
beindruckender Morgan Freeman - genialer Film - auch wenn man die Rugby Regeln nicht kennt, fiebert man dennoch mit dem grün-goldenen Springbooks mit.
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