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Kino Aktuell Up in the Air

«Es ist nett, moralisch zu sein»

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 03.02.2010

Der Regisseur von «Juno» und «Thank You for Smoking», über Verantwortung, Vielfliegerei und seine Arbeit mit George Clooney am Film «Up in the Air».

Jason Reitman: «Ich denke, da haben sie dir nun George Clooney gegeben, was, wenn du es jetzt vermasselst!»

Jason Reitman: «Ich denke, da haben sie dir nun George Clooney gegeben, was, wenn du es jetzt vermasselst!»

Up in the Air

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Jason Reitman

Als Kind trat der 1977 geborene Jason in den Komödien von Vater Ivan Reitman auf - «Ghostbusters 2», «Twins» und «Kindergarten Cop». Mit 28 Jahren debütierte er als Regisseur der bösen Satire «Thank You for Smoking». Die hervorragende Teenie-Schwangerschaftskomödie «Juno» brachte ihm 2007 eine Oscar-Nomination ein. Nun gilt Jason Reitman als eine der grössten Hoffnungen Hollywoods. (ase)

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Mr. Reitman, die Hauptfigur Ihres Films verbringt ihre Zeit grösstenteils in Flugzeugen und auf Flughäfen - was für ein deprimierender, steriler Lifestyle!
Sie nennen es steril. Ich liebe fliegen, reisen, Hotels. Ich geniesse es, mich aus meinem Leben «auszustöpseln» und mich in dieses keimfreie, geschlossene System zu begeben.

Ich nehme an, Sie sind Vielflieger. Sammeln Sie Meilen?
Und wie! Als ich einmal bemerkt habe, dass ich nicht genügend Meilen habe, um den gewünschten Vielflieger-Status zu erlangen, flog ich von Los Angeles nach Chicago, ass eine Pizza und flog wieder zurück.

Meilen jagen? Das ist doch bescheuert!
Ich sammle mit religiösem Eifer! Meinen Meilenstand weiss ich jederzeit auswendig.

Und der wäre?
Das ist eine sehr persönliche Frage!

Sie wollen die Frage nicht beantworten?
Gegenfrage: Wie viel Geld haben Sie auf Ihrem Bankkonto?

Ich komme aus der Schweiz, wir haben das Bankgeheimnis.
Na gut, sagen wir: Ich fliege über 100 000 Meilen im Jahr.

Zurück zum Film: Die Hauptfigur, Ryan, ist ein Einzelgänger, der sich davor drückt, Verantwortung zu übernehmen. Ist dies das Thema des Films: Verantwortung?
Nein. Im Flugzeug-Jargon gesprochen: Es ist ein Film über Connections, über zwischenmenschliche Beziehungen. Der Film handelt von einem Mann, der realisiert, worin der Wert zwischenmenschlicher Beziehungen besteht. Das bedeutet aber nicht, dass er sich deshalb für ein Leben in einer Beziehung entscheiden muss. Er kann auch weiterleben wie bisher. Ich sage nicht, dass das eine richtig ist und das andere falsch.

... und Sie wollen auch nicht sagen, dass wir uns der Verantwortungen, die wir tragen, bewusst sein sollten?
Verantwortung ist ein grundfalsches Konzept. So etwas wie echte Verantwortung gibt es nicht. Wer entscheidet, wer wofür verantwortlich ist? Das ist, als würde man sagen, es gebe eine Notwendigkeit, moralisch zu sein. Es ist nett, moralisch zu sein, aber es ist nicht notwendig.

Ein anderes Thema: Ryan führt von Berufs wegen Entlassungsgespräche. Wie haben Sie recherchiert? Haben Sie Bekannte gefragt, wie sie auf ihre Entlassung reagiert hatten?
Nein, die meisten Szenen wurden mit Laien gefilmt, mit Leuten, die tatsächlich kürzlich gefeuert wurden.

Diese Leute haben ihre eigene Entlassung nachgespielt?
Ja. Wir haben eine Annonce in der Zeitung geschaltet. Wir suchten Menschen, die sich für einen Dokfilm über Entlassungen zur Verfügung stellen.

Hat die Arbeit vor der Kamera den Menschen geholfen, über ihren Jobverlust hinwegzukommen?
Manche sprachen tatsächlich von einer kathartischen Erfahrung. Viele hatten noch gar nie ernsthaft über ihre Entlassung gesprochen. Es war sehr emotional. Leute haben geweint, andere sind wütend geworden.

Sie haben bereits 2002 mit der Arbeit am Drehbuch begonnen ...
Die Wirtschaft befand sich in einem Boom. Als wir 2009 drehten, steckte die Welt mitten in einer der schlimmsten Rezessionen überhaupt. Indem wir mit wirklichen Entlassungsopfern gedreht haben, erweisen wir ihnen auch eine gewisse Ehre.

Trotzdem: Es braucht Nerven, in der heutigen Zeit einen Film zu machen, dessen Hauptfigur ihren Lebensunterhalt damit verdient, dass sie Leute entlässt.
Ich denke, es ist im Gegenteil ein guter Zeitpunkt für diesen Film. Ich hoffe, die Millionen von Menschen, die in jüngster Zeit ihre Arbeit verloren haben, finden etwas für sich in diesem Film.

In «Thank You for Smoking» war es die Tabakindustrie, in «Juno» eine Teenagerschwangerschaft, nun die Arbeitslosigkeit: Sie nehmen sich gerne kontroverse Themen vor und machen leichtfüssige Filme darüber.
Ich weiss nicht, ob es mein Anliegen ist, leichtfüssige Filme zu machen. Meine Ambition ist eher, vorurteilsfrei vorzugehen. Bei politisch polarisierenden Themen nehme ich gerne eine dritte, konträre Sichtweise ein: Viele Leute halten Themen wie Teenagerschwangerschaft oder das Rauchen für Angelegenheiten, die nur schwarz oder weiss dargestellt werden können. Für mich sind sie grau.

Man könnte auch sagen: Sie trauen sich nicht, einen Standpunkt einzunehmen.
Es ist nicht mein Job, den Leuten zu sagen, was ich denke. Ebenso wenig will ich die Leute zu einer gewissen Haltung animieren. Höchstens, sie dazu bringen, Vorurteile abzulegen.

Wie gross ist der Einfluss Ihres Vaters, Ivan Reitman («Ghostbusters»), auf Ihre Arbeit?
Sehr gross. Mein Vater ist mein Held, ein brillanter Geschichtenerzähler. Er schaut sich die Rohfassungen meiner Filme an, liest meine Drehbücher, gibt mir Ratschläge.

Sie und Ihr Vater haben zwei verschiedene Epochen des Filmemachens erlebt. Sprechen Sie gelegentlich über Ihre Erfahrungen?
Mein Vater ist der Auffassung, dass es in den 1980er-Jahren einfacher war, Filme zu drehen. Es war mehr Geld vorhanden, Filmemacher bekamen eher grünes Licht, nach ihren eigenen Überzeugungen zu drehen. Nun sind die Studios börsenkotierte Unternehmen; es ist schwieriger, ungewöhnliche Filme zu realisieren.

Andererseits lässt sich ein Film wie «Ghostbusters» vermutlich besser verkaufen als «Up in the Air?»
Das stimmt natürlich. Mein Vater dreht Publikumsfilme.

Wie schwierig war es, «Up in the Air» zu realisieren?
Die Arbeit am Drehbuch war schwierig. Danach ging alles fix. George (Clooney) sagte schnell zu, und so gab auch das Studio rasch grünes Licht.

Wie einschüchternd ist es, mit einem Star wie George Clooney zu arbeiten?
Ich dachte, es wäre einschüchternder, immerhin ist er auch ein erfolgreicher Regisseur. Aber in Wirklichkeit war er eine grosse Hilfe; er weiss genau, was ich als Regisseur von ihm erwarte, und er versteht es auch, meine Erwartungen den anderen Schauspielern am Set verständlich zu machen. - Es gibt zudem Schauspieler, die errichten Barrieren zwischen sich und dem Regisseur, lassen keine Nähe zu. Nicht so George. Er vertraut einem völlig.

Kann man sagen, dass es mit Filmen wie mit Partys ist: Am Ende hängt alles von der Qualität der Gäste ab? Wenn Clooney kommt, kann nichts mehr schiefgehen.
Nein, wenn schon, trifft das Gegenteil zu: Ich bin ungleich nervöser und denke, da haben sie dir nun George Clooney gegeben, was, wenn du es jetzt vermasselst! Dann kannst du nicht einmal mehr dem Studio die Schuld geben.

Up in the Air

Regie:Jason Reitman
Produktion:USA 2009; 105 min.
Genre:Comedy, Drama, Romance
Erstaufführung:04.02.2010
Darsteller:George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Amy Morton

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7 KOMMENTARE

Martin Derungs

star4

Ja, nicht schlecht. Sehr klischeehaft, die Figuren, aber es macht Spass, ihnen zuzusehen, und neben den lustigen und leichten Momenten gibt es auch viele Berührungen mit dem "Ernst" des Lebens, über die der Film nicht leichtfertig hinweggeht, er lässt dem Zuschauer Zeit. Die Filmmusik hat mir besonders gefallen. Netter Film.


chris urdl

star4

gut, aber von den kritikern überbewertet....


Carmen Luthiger

star3

Gute Story, durchschnittlich gemachter Film


aen varga

star3

der neigt aber zur langeweile, der film. es hat zwar eine gute ebene, die durchaus sehr philosophisch betrachtet werden könnte, aber nur andeutungsweise zur sprache kommt. der rest: ziemlich plump, irgendwie.


Lisa Steiner

star5

mir gefiel der film sehr - nicht allein wegen george clooney. Auch in der übrigen Welt GLOCAL zur zeit grossgeschrieben, auf kosten der menschlichkeit.


Denis Fidéler

star4

Sehr schöner Film, zum nachsenken, um was es im Leben geht.


Thérèse Haefele

star3

Die Story ist super, der Film als solches ist ganz OK. Verstehe jedoch nicht, weshalb der Film in der Kritik dermassen gelobt wird.



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