Aus Wunderland wird Unterland
Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 04.03.2010
User-Rating
Wo & Wann
| Zürich · Winterthur · Region | Heute![]() |
|---|---|
| Heute keine Vorführungen. | |
Trailer
«Tim Burton verfilmt‹Alice in Wonderland›!» Das war eine Freudenbotschaft für Burton- wie für Lewis-Carroll-Fans: Denn den Abenteuern von Alice kann nur gerecht werden, wer eine grosse visuelle Fantasie hat. Und Burton gehört eindeutig zu den bilderstärksten Regisseuren unserer Zeit. Andererseits hat er Mühe, gute Geschichten zu finden - man denke nur an seinen unsäglichen «Planet of the Apes». «Alice in Wonderland» wiederum, erschienen 1865, ist eines der populärsten und folgenreichsten Bücher der Weltliteratur. Da müsste die Kombination Carroll-Burton doch ideal sein, sollte man meinen.
«In früheren‹Alice›-Filmen», sagte Burton, «ist ein passives Mädchen von einer verrückten Figur zur nächsten geschweift, und ich habe nie eine echte emotionelle Bindung gespürt.» Er wolle nun dem Ganzen «eine emotionelle Grundlage geben». Mit ihrem Drehbuch sollte deshalb Linda Woolverton («The Lion King», «Beauty and the Beast») Gefühle und Frauenpower mit reinbringen.
Bei ihr gerät nun eine bereits 19-jährige Alice (eine Entdeckung: Mia Wasikowska) nicht zufällig ins «Unterland», wie es hier heisst - «Wunderland» sei ein blosser Verhörer von Alice gewesen. Sie soll vielmehr dessen Bewohner von der despotischen Roten Königin befreien, die das Land verwüstet hat. Diese Idee hat Woolverton aus den Narnia-Büchern von C. S. Lewis geklaut; ebenso diejenige einer Maus, die sich als Ritter ohne Furcht gebärdet. (Bei Carroll ist die Haselmaus vorwiegend mit Schlafen beschäftigt.)
Leben Carrolls Bücher von der Verrücktheit seiner Einfälle, werden sie hier domestiziert und banalisiert. Der Jabberwock, die Hauptfigur von Carrolls genialstem Nonsens-Gedicht «Jabberwocky», wird somit zu einem doofen Drachen im Dienst der Roten Königin.
Doch so ärgerlich das Drehbuch ist, Bilder sind Burton fantastische eingefallen. So wurde Helena Bonham Carters Kopf für ihre Rolle als Rote Königin digital auf doppelte Grösse aufgeblasen. Hinreissend die blaue Raupe mit der Stimme von Alan Rickman; wunderschön das Grinsen der Cheshire-Katze, das sich in eine Mondsichel verwandelt. Fast jede Einstellung gäbe ein prächtiges Poster ab. Doch auf die Moral der Geschichte hätten wir gern verzichtet. Denn wie Carroll schon 1867 an ein kleines Mädchen schrieb: «Dein Buch hat eine Moral? Ich brauche kaum zu erwähnen, dass es nicht von Lewis Carroll stammt.»
Alice in Wonderland
| Regie: | Tim Burton |
| Produktion: | USA 2010; 108 min. |
| Genre: | Adventure, Fantasy |
| Erstaufführung: | 04.03.2010 |
| Darsteller: | Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover |
Kommentar schreiben / Rating abgeben
7 KOMMENTARE
Stefan Jericka
Einfach herrlich die Figuren dieses Films, so wundervoll farbig und voller Leben...ein Spass zum Anschauen.
Armin Schmidt
Ein weiteres Beispiel dafür, dass 3D nicht automatisch einen guten Film macht. Inkohärenter 08/15 Plot. Die Handlungen einzelner Figuren sind unmotiviert und unverständlich. Bruchstückhaft wirkende Dialoge, flach und witzlos. Sogar Alice selbst wirkt gelangweilt, langweilig und ist von gar nichts überrascht.
Thérèse Haefele
Hier lässt sich 3D in voller Pracht geniessen und der Film ist wie gemacht für Johnny Depp, seine Rolle als Hutmacher vorzüglich auslebt
Marcel Naas
Tim Burton liebt man - oder eben nicht... Wer "Corpse Bride" mochte, wird auch hier voll auf die Rechnung kommen. Ich fand den Film sehr gut!
Das Filetstück: die Gastro-Suche
Die Züritipp-App fürs iPhone ist da!
Wohnraumfenster aus Kunststoff
PublireportageDer Züritipp auf Twitter
Zürich ist eine Liste
Täglicher Newsletter
Von klein auf kompetent: Der «züritipp» Newsletter bringt Ihnen täglich Tipps für Kino, Musik, Theater, Kunst & Gastro.









Plattenladen-Liste