Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Air Doll - Kûki ningyô

aufblasbares du

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 10.03.2010

In seinem Filmmärchen lässt der Japaner Hirokazu Kore-eda eine Gummipuppe zum Leben erwachen und pulsierendes Fleisch werden.

Der liebesbedürftige Kellner ahnt nicht, dass die Sexpuppe hinter seinem Rücken lebendig wird.

Der liebesbedürftige Kellner ahnt nicht, dass die Sexpuppe hinter seinem Rücken lebendig wird.

Air Doll - Kûki ningyô

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Laut Packungsangabe heisst die aufblasbare Puppe «Lovely Girl Candy». Sie gehört einem Kellner, der ihr putzige Gewänder überstülpt und sie am Esstisch postiert. Wie in der US-Komödie «Lars and the Real Girl» ist auch diese Sexpuppe fast ein Mensch. Allerdings bekommt der Kellner zuerst einmal nichts mit, als seine Puppe (Du-na Bae) eines Morgens tatsächlich ins Leben blinzelt und mit pochendem Herzen die Finger aus dem Fenster streckt.

Von da an führt die Sexpuppe ein Doppel- leben. Nachts liegt sie starr im Bett, tagsüber stöckelt sie mit einer Servierschürze durch Tokio und imitiert, was die anderen Leute tun. Trotz der Klebnaht an ihrem Hals fällt niemandem auf, dass es sich um eine aufgewachte Puppe handelt. So wird das unschuldige Ding in einer Videothek angestellt, wo sie dem Videohändler verfällt. Der reagiert erstaunlich rasch, als sich die Puppe in die Haut schneidet und ihr die Luft rauspfeift. «Wo ist das Ventil?», fragt er hilfsbereit.

Erotisch, anmutig und in exquisiten Einstellungen erzählt der grosse japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda ein Grossstadtmärchen über Einsamkeit und Begierde, das auf einem Manga beruht. Darin wird nicht nur der amerikanische Regisseur Abel Ferrara verhandelt, «Air Doll» ist auch, mit dem Philosophen Slavoj Zizek gesprochen, perverse Kunst: Der Film gibt uns nicht, was wir wünschen, sondern sagt uns, was wir begehren sollen.

Bei Licht betrachtet macht Kore-eda bloss konventionelles Fantasy-Kino, durchwirkt mit dem Goldfaden des ambitionierten Studiofilms. Er schielt auf den Publikumsgeschmack: Seine verletzliche Poesie wirkt jetzt wie beim Versandhaus bestellt, der Zauber ist mit Melancholie zugemörtelt, die Kamera von Ping Bing Lee («In the Mood for Love») pendelt hin und her, als sei sie auf der Suche nach einem anderen Film.

Für Noch-nicht-Fans des Japaners könnte «Air Doll» allemal ein Zugang sein. Seine magischsten Filme zeigt das Filmpodium noch diese Woche: «Nobody Knows» und «Still Walking».

Air Doll - Kûki ningyô

Regie:Hirokazu Koreeda
Produktion:Japan 2009; 125 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:18.03.2010
Darsteller:Doona Bae, Arata, Itsuji Itao, Jô Odagiri, Sumiko Fuji

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1 KOMMENTARE

Thérèse Haefeli

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So was kann nur aus Asien kommen, wo man keine Zeit mehr hat für echte Beziehungen.



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