Essen als Ereignis
Von Daniel Böniger. Aktualisiert am 24.12.2009
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Brunegg
Die vorwitzigen Vorspeisen sind die Highlights des Besuchs im Brunegg: Wie beispielsweise grillierte Jakobsmuscheln im Chicoréemantel mit Mandarine und Estragon. Vor lauter experimentellen Kombinationen vergisst man schnell, dass es sich beim Quartierrestaurant um einen Betrieb der Arbeitskette handelt, die Arbeitslose mit psychischer Einschränkung wieder ins Erwerbsleben eingliedern will. Am Brunegg gefällt ebenso, dass man nach fantasievollen Entrees zu währschafteren Hauptgängen schreiten kann: Zürcher Geschnetzeltes mit leicht süsser Rahmsauce und perfekter Rösti, aber auch das Tatar oder das Haus-Cordon-bleu. Und wers zum Finale nochmals ausgefallen mag: Das Limoncello- Tirggel-Pannacotta mit Fleur de Sel in der Caramelsauce überzeugt.
Zürich, Brunaustr. 61, Tel. 043 222 48 66, www. brunegg.ch. Mo-Fr 9-14 u. 17.30-23.30, So 9-16 Uhr: Frühstück. Vorspeisen 8.50-24, Hauptgänge 26.50-39; Wein offen dl ab 6.80 Fr. Rauchfrei. 24.12. geöffnet; danach Ferien bis 10. Jan.
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Esquina
Man kann natürlich auch zu Hause Datteln in Speck wickeln und braten. Sogar Fischsuppe und ein Mistkratzerli - beides mit viel Knoblauch gewürzt - sollte ein Hobbykoch hinbekommen. Doch manchmal will man sich an einen weiss gedeckten Tisch setzen, auf dem einen ein handgeschriebenes Kärtchen willkommen heisst. Manchmal ist es schön, wenn vor dem Essen ein frisches Stück Schinken von einer ganzen Keule geschnitten wird. Manchmal probiert man gern von einem empfohlenen Weisswein, dessen Namen man zuvor noch nie gehört hat. Im Restaurant Esquina ist das so. Wenn auf der Schiefertafel beim Eingang der portugiesische Satz «Bem vindo à nossa casa» steht, ist das alles andere als eine leere Versprechung.
Zürich, Dienerstr. 28, Tel. 043 243 36 77, www. esquina.ch. Mo-Sa 11-14 und 18-24 Uhr. Vorspeisen 9.50-19.50, Hauptgänge 24.50-42.50; Wein offen dl ab 4.90 Franken. Kein separater Nichtraucherbereich. Nur am 24./25./27.12 geschlossen.
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Le Scale
In Zürich eröffnen Jahr für Jahr fast so viele Pizzerias wie Nail-Studios. Manchmal jedoch sticht ein italienisches Teigfladen-Lokal aus der Menge hervor. Das Le Scale ist ein solcher Fall: Im Brotkörbli liegt warmes, frisches Pizzabrot. Das Carpaccio ist nicht mehr eiskalt, wenn es beim Gast ankommt. Doch woran liegt es, dass hier mit mehr Detailliebe gearbeitet wird als anderswo? «Die beiden italienischen Köche sind am Umsatz beteiligt», hat Gastgeber Sinan Diler dem «züritipp» verraten. Welche Früchte eine solch erfolgsabhängige Lohnpolitik tragen kann, erlebt man spätestens, wenn man die hausgemachten Kartoffelgnocchi mit Safransauce, Speck- und Steinpilzstreifen probiert. So sorgfältig zubereitet wird Pasta in Zürich leider viel zu selten.
Zürich, Werdstr. 66, Tel. 043 243 96 71, www.ristorantelescale.com. Mo-Fr 11-14 und 17.30-23, Sa/So 17.30-23 Uhr. Vorspeisen 8.50-22.50, Hauptgänge 17.50-38.50, Wein offen ab 5, Flasche 75 cl ab 25 Franken. Kein separater Nichtraucherbereich. 24. 12.
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Muggenbühl
Ich habe eine Schwäche für Cordon bleus. Das eindrücklichste Exemplar ass ich 2009 im neu eröffneten Restaurant Muggenbühl: Es bedeckte fast die Hälfte des grossen Tellers, war preiswert und wurde von tadellosen Pommes frites begleitet. Das währschafte Wollishofer Speiserestaurant wurde im Frühsommer von Gastro-Zürich-Präsident Ernst Bachmann übernommen - und es ist alles andere als ein Trendlokal. Hier zählt Preis/Leistung mehr als ein modisches Interieur. Mittags ist das Lokal fast bis auf den letzten Platz ausgebucht - und trotzdem sitzen da zwei Männer am Stammtisch mitten im Säli, trinken ihr Bier und diskutieren. Kaum ist die Essenszeit vorüber, trudeln auch die Jasserinnen und Jasser ein.
Zürich, Muggenbühlstr. 15, Tel. 044 482 11 45, www.muggenbuehl.ch. Täglich ab 9 Uhr geöffnet. Vorspeisen 4.50-14.50, Hauptgänge 18.50-48, Wein offen dl ab 4 Fr. Separater Nichtraucherbereich. 24.12. ausnahmsweise ab 14 Uhr geschlossen.
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The Restaurant im Dolder Grand
In der Regel ist für den Gast das Fleisch im Zentrum des Interesses. Nicht so in The Restaurant, dem Vorzeigelokal des Hotel Dolder Grand, wo dieses Jahr Küchenchef Heiko Nieder ein vegetarisches Fünfgang-Menü für Gourmets zusammengestellt hat. Er präsentiert etwa Kürbis als Hauptspeise, der mit Oliventapenade und Baumnüssen die nötige Kraft verliehen wird. In einem giftig grünen Schaum aus Weizenkeimen schwimmen in Tee geschmorte Cherrytomaten und würziger Kuhmilchkäse. Auch das Dessert überrascht, bei dem sich die Unterscheidung von süssen und salzigen Gerichten vollends auflöst: eine Variation von Blaubeeren, Ingwer, Gurken und Sellerie. Wow! Das ist ein Erlebnis, das den Gourmet erschlägt - ganz ohne Filet und Keule.
Zürich, Kurhausstr. 65, Tel. 044 456 60 00, www.thedoldergrand.com. Di-Fr 12-14 und 19-22 Uhr; Sa 19-22 Uhr. Das vegetarische Gourmetmenü für 138 Fr. wird nur abends serviert; die Weinbegleitung kostet 83 Franken. Rauchfrei. An allen Feiertagen geöffnet.
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1 KOMMENTARE
Monika Huwiler
The Restaurant im Dolder Grand ist ein Ort zum Feiern, wenns auch "etwas" kosten darf. Fein und wunderschön
Das Filetstück: die Gastro-Suche
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