Tages-Anzeiger



Brunegg

Caramelsauce mit Fleur de sel

Aktualisiert am 27.07.2009

Das Restaurant Brunegg im Kreis 2 ist ein soziales Projekt - zugleich aber auch eine Destination für Geniesser.


Brunegg

Adresse: Brunaustr. 61
8002 Zürich
Telefon: 043 222 48 66
Url: http://www.brunegg.com
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-14 und 17.30-23.30 Uhr. So 9-16 Uhr Frühstück.

Profil

Preise

Moderat, Nicht ganz billig

Ambiente

Tische weiss gedeckt

Kriterien

Ganz Rauchfrei, Kreditkarten - Ja, Rollstuhlgängig - Nein

Restaurantarten

Restaurant

Restaurant-Küche

Fleischspezialitäten, Frühstück/Brunch, Schweizer Küche

Von Daniel Böniger

Das Niveau der Speisen im Brunegg ist erstaunlich hoch. Die Betreiber könnten alle Tische weiss eindecken statt nur deren zwei. Nach dem Besuch ist der Gast voll des Lobes für die gebratenen Kalbsleberli, fürs ordentliche Cordon bleu, für das würzige Tatar. Obwohl dies währschafte Gerichte sind, beginnt der Abend wesentlich moderner: mit einem Mousse von geräucherter Forelle auf einem Gurkengelee, dazu gibts ein würziges Kräutersalätchen. Ein umwerfendes, verspieltes Amuse-Gueule.

Das Lokal im Kreis 2 wird seit Anfang März vom Verein Arbeitskette geführt, der in Zürich nun insgesamt vier Restaurants betreibt. Allen Betrieben gemeinsam ist, dass dort Menschen mit «psychischer Einschränkung» arbeiten, also solche, die in «ihrer Arbeitsfähigkeit oder Sozialkompetenz beeinträchtigt sind». Mit dem Brunegg beschreitet man neue Wege: Die dort Beschäftigten stehen kurz davor, in den freien Arbeitsmarkt zurückzukehren. Betreut werden sie dabei von René Unternährer im Service und Roger Keller in der Küche. Letzterer war zuvor in den renommierten Betrieben Greulich und im Il Casale tätig.

Nicht nur das Tatar überzeugt, ein Genuss ist auch die zweite Vorspeise beim verdeckten Testbesuch: ausgesprochen dünne Ravioli mit Limettenfüllung, die bloss mit etwas geschmolzener Butter und Parmesan serviert werden. Sie mit weiteren Zutaten aufzutischen, wäre nicht angebracht.

Auch die Kalbsleberli, eine Spur zu wenig scharf angebraten, kommen mit wenig Begleitung aus: Schalotten und Salbei umschmeicheln deren Eigengeschmack. Nur schade, dass die fein geriebene Rösti noch ganz leicht mehlig schmeckt. Prima ist ein Cordon bleu vom Kalb, das im Brunegg mit Vorderschinken und Gruyère gefüllt wird. Dass die Quartierbeiz eine Empfehlung wert ist, wird spätestens beim Dessert klar: Zuunterst in einem Glas mit Pannacotta und einem Hauch Limoncello ruht ein Biscuitboden aus Züritirggel, gekrönt wird die Kreation von Grapefruitfilets. Solche liegen auch neben dem Gläsli, dazu gesellt sich eine Caramelsauce - und Fleur de Sel. Das ist zwar ziemlich ambitiös, aber es schmeckt herrlich. Und es hätte deswegen ein weisses Tischtuch statt bloss eines biederen Tischläufers mehr als verdient.


Frühstück., Vorspeisen 8.50-24, Hauptgänge 26.50-39; Wein offen dl ab 6.80, Flasche 7 dl ab 44 Fr. Rauchfrei.

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