Tages-Anzeiger



Es kann nur einen geben!

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 03.02.2010

Wer redet denn hier von Krise! Claudio Zuccolinis dritte Soloshow ist ein «Erfolgsprogramm». Und eine Lektion in angewandter Schweiz-Soziologie.

Der Humortechniker: Claudio Zuccolini.

Der Humortechniker: Claudio Zuccolini.


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Der Komiker Claudio Zuccolini (39) ist, humortechnisch gesehen, eine Dreifaltigkeit. Er ist ein Hochfrequenz-Gag-Generator. Ein treffsicherer Imitator der Schweizer Cervelatprominenz. Und ein bösartiger Beobachter der Milieus. Zum Beispiel erleben wir Leah, die junge Ostschweizerin mit dem Lispelstimmchen, beim Poetry-Slam und hören einen Text, der eins zu eins Literaturszene ist: dieser kurzatmige Dialog, diese existenzielle Empfindsamkeit, dieser aggressive Weltschmerz mit Anti-Amerika-Spitze.

Warum schreiben Ärzte so unleserlich?

Wir reisen aber auch in Zuccolinis Bündner Jugend und erleben eine Familie, die beim Wandern nie einkehrt, doch so nah bei der Bergbeiz rastet, dass die Kinder fieserweise den betörenden Pommes-frites-Duft riechen. Ausserdem geht es darum, dass heutzutage die Ärzte eine unleserliche Handschrift haben: «Hey», sagt Zuccolini, «mein Kollege bekam kürzlich ein Rezept für Ponstan, und - zack! - ist er im Methadonprogramm!»

Eine Rahmenhandlung verbindet die Exkurse: Zuccolini gibt einen Erfolgsguru, Persönlichkeitsentwickler und Sachbuchautor («Der Zuccolini-Code»), der den Zuschauer mittels acht «Big Points» zum Winner machen will. Diese dramaturgische Klammer ist natürlich Mittel zum Zweck: Sie gibt dem Stand-up-Mann Gelegenheit, Menschen zu parodieren und überhaupt seine amüsante Körperlichkeit in den Dienst der Satire zu stellen.

Erfreulicherweise kommt es zur Wiederbegegnung mit Kurt und Erika, die schon im «Ex-Promi» und in «Zucco’s Kaffeefahrt» vorkamen. Das Lehrerehepaar wohnt in einer Überbauung, wo es zirka 3000 Veloabstellplätze gibt, aber nur zwei Besucher-Autoparkplätze. Am Sonntag geht man mit den vier Kindern biken - Klein Micheline sitzt im Veloanhänger mit dem roten Wimpeli - und anschliessend ins Schwimmbad, wo man Couscous-Salat aus der Tupperwarebox isst.

Keiner holt den fortschrittlichen Spiesser so gekonnt auf die Bühne wie Zuccolini. Man verlässt das Theater nach anderthalb Stunden mit wertvollen Einsichten. Und weiss zum Beispiel, warum Gott den Menschen erst am sechsten Tag schuf. «So gab es keine Einsprachen. Und keine Unia und keine Suva auf der Baustelle.»

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