Tages-Anzeiger



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Die Hunger-Krieger

Von Reto Bühler. Aktualisiert am 17.03.2010

Politische Aufopferung oder egoistische Verblendung? Der Künstler Steve McQueen durchleuchtet den Hungerstreik der IRA im Maze-Gefängnis 1981.

McQueen besticht durch die Kraft seiner Bilder.

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Hunger

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Hinter dem Akt der Nahrungsverweigerung verbirgt sich eine Urfantasie des Menschen: die totale Kontrolle des Geistes über das Fleisch. Eine Rebellion gegen die Naturgesetze, die in ihrer Radikalität auch die Erzählgewohnheiten des Kinos herausfordert, unlängst zu beobachten in Peter Liechtis «The Sound of Insects» und nun - nicht minder eindrücklich - bei Steve McQueen. Anders als in Liechtis Film steht das Hungern hier jedoch in einem politischen Kontext: Jahrelang kämpfen IRA-Häftlinge in Belfast um die Wiedererlangung ihres Status als politische Gefangene. Erst meiden sie die Duschen, dann verschmieren sie die Zellenwände mit ihrem eigenen Kot, um schliesslich im Frühjahr 1981 die Nahrung zu verweigern. Unter der Führung von Bobby Sands (gespielt von «Fish Tank»-Star Michael Fassbender) lassen sie sich auf einen tödlichen Nervenkrieg mit Premierministerin Margaret Thatcher ein, die sich beharrlich weigert, die «IRA-Terroristen» als politische und nicht als kriminelle Subjekte zu behandeln.

McQueen reduziert den Gefängnisalltag auf sorgfältig arrangierte Tableaus. Praktisch stumm vollzieht sich der hartnäckige Widerstand, einzig unterbrochen durch Sands ausführliches Gespräch mit einem Priester, der ihm die Frage nach Sinn und Legitimation des offensichtlich tödlichen Vorhabens stellt: Geht es überhaupt noch um Politik oder eher um persönliche Genugtuung? Dem in seiner Unerschrockenheit bestechenden Widerstand der Häftlinge werden Szenen aus dem Alltag eines Gefängniswärters entgegengestellt, der nicht ganz unbegründet um sein Leben bangt: Zahlreiche Wärter wurden während der Unruhen von der IRA ermordet. Nicht zuletzt dieser Perspektivenwechsel macht das Spielfilmdebüt des Künstlers und Fotografen Steve McQueen zu einer intelligenten und schonungslosen Auseinandersetzung um politischen Widerstand und Radikalismus.

Hunger

Regie:Steve McQueen
Produktion:Ireland, UK 2008; 96 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:18.03.2010
Darsteller:Stuart Graham, Laine Megaw, Brian Milligan, Liam McMahon, Karen Hassan

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1 KOMMENTARE

Thérèse Haefele

star4

Dieser Konflikt wird auch in der heutigen Zeit wohl nie ein Ende finden, aber man wünscht es sich. Beeindruckender Film, geht sehr nahe!






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