Tages-Anzeiger



Das pralle Leben

Von Nina Scheu. Aktualisiert am 10.03.2010

Eugénie Rebetez wollte immer schon mehr sein als eine Tänzerin, nämlich «Chanteuse-Danseuse-Rockeuse».

Hat für Konventionen nur ein grosses Lachen übrig: Die Tänzerin Eugénie Rebetez als Gina.

Hat für Konventionen nur ein grosses Lachen übrig: Die Tänzerin Eugénie Rebetez als Gina.
Bild: Matthias Horn


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Jede und jeder will heute auf die Bühne und berühmt werden, auch Gina. Aber Gina will mehr als nur Music- oder Dance-Star sein. Sie nennt sich «Chanteuse-Danseuse-Rockeuse» und macht sich mit dieser Dreierkombination aus Musik, Tanz und Gesang auf, alle Barrieren niederzureissen, die ihr dabei im Wege stehen. Und davon gibt es viele. Denn Gina verfügt weder über einen kristallklaren Sopran noch über eine Rockröhre. Und mit ihrer drallen Figur entspricht sie auch nicht dem klassischen Bild einer Tänzerin. Wenn Gina Gedanken in Bewegungen umsetzt und Bewegungen in Töne, dann ist das meist sehr lustig anzusehen, manchmal aber auch traurig. So wie Gina eben. Gina, die Kunstfigur: Sie ist die Titelgestalt des ersten abendfüllenden Soloprogramms von Eugénie Rebetez.

Die junge Frau aus dem ländlichen Jura begeisterte das Publikum bereits in «Öper Öpis» von Zimmermann & de Perrot mit ihrer provokativ tragikomischen Körpersprache. Man lacht, wenn sie über die Bühne schlurft und Ballettposen einnimmt, ihnen Melodien zuordnet. Und man lacht sogar, wenn sie sich im Elend windet wie ein gestrandeter Wal. Mit der Seele einer Rockerin rollt die Tänzerin über die Szenerie wie eine Lawine, und wie eine Naturgewalt geht sie auch an die Grenzen, sucht dahinter nach neuen, die sie überwinden kann. Rebetez hat ihr Solo in monatelanger Entwicklungsarbeit aus sich herausgeschält. 2008 erhielt sie für das Projekt den Förderpreis Premio. Und im Februar kam der erstmals verliehene Nachwuchspreis für Kulturschaffende aus dem Jura, CICAS, dazu.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Gina sei eine Mischung aus der jurassischen Komikerin Zouc und der Vaudeville-Tänzerin Josephine Baker, sagt Rebetez. Von beiden hat sie die Grosszügigkeit übernommen, mit der sie sich ihrem Publikum preisgaben und -geben - und manchmal auch der Lächerlichkeit. So ist Gina auch zum Statement der Darstellerin geworden, die der Ballettwelt, wo sie ihre Ausbildung erhielt, einen gesellschaftskritischen Spiegel vorhält. Denn Gina huldigt nicht der Askese, sondern einem verschwenderischen Überfluss. Ihr Credo ist Lebenslust statt Magersucht, Sein statt Schein, Humor statt Glamour - ohne Rücksicht auf Verluste. Der Gewinn geht ans Publikum.

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