Tages-Anzeiger



Wenn der User zum Mäzen wird

Von David Sarasin. Aktualisiert am 02.02.2012

Die Macher des Ausgehportals Ron Orp lancieren ein neues Projekt. In der Crowdfunding-Comunity 100-days.net sollen die Nutzer Projekte von Fremden finanzieren. Die Idee hatten in Zürich aber schon andere.

Die Ron-Orp-Macher Christian Klinner (l.) und Romano Strebel haben das Projekt 100 Days ins Leben gerufen.

Die Ron-Orp-Macher Christian Klinner (l.) und Romano Strebel haben das Projekt 100 Days ins Leben gerufen.
Bild: David Sarasin

Der Schritt erscheint logisch. Die Website Ronorp.net verhalf schon manchem Zürcher, Gleichgesinnte, Freunde oder gar Partner zu finden. Ob Theaterprojekt, Fussballteam oder Liebe, oft wurden in der Web-Community Projekte angerollt und Gruppen gebildet. Nun beschreiten die beiden Gründer, Christian Klinner und Romano Strebel, neue Wege. Und wieder geht es um Gruppen und um Projekte. Neben ihrem erfolgreichen Newsletter, den es mittlerweile in 12 Städten weltweit gibt, lancieren sie Mitte Februar die Crowdfunding-Plattform 100-days.net.

100-Tage-Deadline

Crowdfunding? Auf 100-days.net geben die Leute ihre Projekte ein, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Die User können diese mittels Knopfdruck leisten. «Das kann vom eigenen Café über die Designstube bis hin zum Low-Budget-Film reichen», so Strebel. «Ein Projekt braucht mit Crowdfunding keine langwierigen Märsche durch Institutionen mehr», ist er überzeugt. «Ist das Projekt gut, merkt das auch der User.» Der gewöhnliche Internetnutzer wird damit automatisch zum Mäzen. Im Gegenzug erhält er ein projektbezogenes Geschenk. Falls der Betrag nicht zusammenkommt, verschwindet der Eintrag wieder von der Website, und das Geld fliesst zurück an den Gönner. Jedes eingegebene Projekt hat 100 Tage Zeit, den anvisierten Betrag unter den Benutzern einzutreiben.

Die Idee ist nicht neu. Die amerikanische Website Kickstarter.com zeigt seit drei Jahren erfolgreich, wie sogenanntes Schwarmfinanzieren funktioniert. Vom Indie-Album bis zum Temperatur regulierenden Kaffeebecher wurde dort schon alles mittels User berappt – fast 100 Millionen Dollar Gönnerbeiträge wurden 2011 generiert. Auch in der Schweiz, insbesondere in Zürich, dürfte diese Art von Kultursubvention Anklang finden. Doch stehen Strebel und Klinner mit ihrer Idee nicht allein da. Auch die ebenfalls in Zürich gegründete Website Wemakeit.ch nimmt dieser Tage ihren Betrieb auf. Zufall? «Wir haben nichts von dem Projekt gewusst», so Klinner, der sich gespannt zeigt, wie das Konkurrenzprodukt aussehen könnte. Es scheint etwas in der Luft zu liegen.

Links: www.100-days.net
www.wemakeit.ch

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3 KOMMENTARE

Nino Menno

Eine weitere Schweizer Crowdfunding Plattform mit Fokus auf Studenten/Absolventen/Sport ging im Januar mit http://www.ordiris.ch online!


Grosse Gönner

"Im Gegenzug erhält er ein projektbezogenes Geschenk" - Tönt genau wie auch bei diesem "wemakeit" nach Künstlern, die gerne Geld von anderen verschleudern, das sie selber nicht erwirtschaften mussten/konnten. Nichts neues also. Wenn da jetzt ein bisserl mehr als nur ein "projektbezogenes Geschenk" rausschauen würde in form einer joint venture oder partnerschaft würde ich vielleicht an die idee glauben oder ich habe das Konzept wohl nicht ganz verstanden?


Herr Mutzel

Hmmm da kann man ja auch mal den Blick nach Deutschland wagen. Ist ja nicht gerade neu, gell. War auch schon ein Gönner;)



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