Tages-Anzeiger



66 Minuten bei Live on Ice

Aktualisiert am 10.01.2011

Jede Woche erzählen unsere Kolumnisten von ihren Erlebnissen in der Stadt Zürich. Diese Woche mit Sandra Künzi.

sandra.kuenzi@zueritipp.ch

Ich entschliesse mich für einen unkomplizierten Glühwein in der Yeti-Bar. Mit einem Glühwein kann man bei einem Winterevent eigentlich nichts falsch machen, ausser ein bisschen auszurutschen und sich das heisse Getränk über Hand und Pulli «z göötsche». Aber das kann die gute Laune, die hier herrscht, nicht trüben. Liegt es vielleicht an der farbigen Beleuchtung? An den schönen, handgezeichneten Schneeflockensternen, die das Gemäuer des Landesmuseums verzieren? Fast wie im Hollywoodfilm. Man würde sich nicht wundern, wenn gleich Meg Ryan übers Eis stolpern und mit Billy Crystal zusammenprallen würde. Stadtbaumeister Gull hätte an dieser Bespielung seines Werkes sicher Freude gehabt. Schliesslich vermochte sich die Stadt Zürich 1891 mit seinem Bauprojekt «Märchenschloss» als Standort für das schweizerische Landesmuseum gegen andere Schweizer Städte durchzusetzen. Event und Breitenwirkung sind eben keine neue Erfindung.

Bei der Schlittschuhvermietung fragt ein Mädchen seinen Erwachsenen, woher das Eis komme. Das sei gefrorenes Wasser. Ob jedes Wasser gefrieren könne? Ja. Auch der Zürichsee? Ja, aber nur, wenn es sehr kalt sei. Aber es sei doch sehr kalt, sagt das Mädchen, es friere jedenfalls an den Zehen. Der Mann bemerkt meinen interessierten Blick. Bestimmt hält er mich für eine verzweifelte Singlefrau, die sich kurz vor Neujahr auf der Eisbahn an potenziell alleinerziehende Väter schmeisst. Die Frau hinter dem Tresen sagt, die letzte Seegfrörni von 1963 sei ihr unvergesslich, und gibt Mann und Mädchen deren Schuhe.

Interio-Lounge, Walliserstübli oder Inselbar? Ich entscheide mich für den Kreis ums offene Feuer, im Freien. Eine Frau sagt, man werde den Rauch morgen noch riechen, in der Jacke und im Haar. Sie möge das.

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