Schwamm am Bosporus
Von Hans Keller. Aktualisiert am 08.02.2012
Alle Wege führen nach Istanbul. Das galt bereits um 324 n. Chr., als der römische Kaiser seinen Hauptsitz nach Konstantinopel verlegte. Später sog die Stadt diverse Kulturen und Musiken wie ein Schwamm auf. Die türkische Musik selbst lässt sich grob in Volks- und Kunstmusik einteilen, und das Ensemble Musicians of Istanbul hat zum Ziel, den musikalischen Reichtum dieses «Schwammes» am Bosporus zusammenzufassen. Die Instrumentierung deckt sich dabei praktisch mit jener der türkischen Kunstmusik. Im Zentrum stehen der elegante Klang der Oud, der orientalischen Laute, die vom 45-jährigen Yurdal Tokcan gezupft wird, sowie die Zither Kanun des gleichaltrigen Göksel Baktagir. Zur Besetzung gehören auch ein Cello und Violinen.
Der traditionellen Instrumentierung steht inhaltliche Offenheit gegenüber: Es wird fast alles interpretiert, was je an Sounds nach Istanbul gelangte – Roma-Tänze, Griechisches, Kurdisches und Sufi-Musik. Wie spannend das bisweilen daherkommt, lässt sich am Beispiel von «Hicaz Saz Semaïsi» beschreiben. Baktagirs elegischer Zitherklang wird von der plötzlich einsetzenden Band zur veritablen Klage verstärkt. Das Tempo erhöht sich bis zur Tanzbarkeit, flaut dann ab und am Schluss herrscht wieder eine Art Windstille. Zauberhafte Sache.
Eintritt 35–75 Franken




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