Tages-Anzeiger



«Ich hätte gerne ein Schweizer Bankkonto»

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 30.08.2010

Das japanische Musiker-Duo «Fuchigami to Funato» hat Humor und ein Gespür für Melodien. In Zürich stellt es gleich zweimal sein Können unter Beweis. Der «züritipp» hat sich im Vorfeld mit den Musikern über Japan, Dada und ihre Liebe zur Schweiz unterhalten.

Mit einem Sinn für alltägliche Zwischentöne: Hiroshi Funato (links) und Junko Fuchigami.

Mit einem Sinn für alltägliche Zwischentöne: Hiroshi Funato (links) und Junko Fuchigami.


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Eine verzückt verrückte Stimme und ein Kontrabass bilden die Grundlage für ihre Melodie-Collagen zwischen Folk-Rock, Jazz und Blues. Angereichert wird ihr Klangteppich mit einer Mundharmonika, einem Tastenblasinstrument und einem Sammelsurium an Brockenhaus-Gegenständen, die «den gewünschten Ton von sich geben». Ihre Einflüsse reichen von der japanischen Popmusik der 1960er-Jahre bis hin zu Lou Reeds «Walk on the Wild Side». Daraus entstanden ist eine Musik, die verrückt, kindlich, wild, minimalistisch und vertraut zugleich wirkt. (jak)

Junko Fuchigami und Hiroshi Funato sind ein Paar und nach ihrem Verständnis «Japans bekannteste Underground-Musiker». Sie nennen sich «Fuchigami to Funato» und das bereits seit 20 Jahren. 1997 gründeten sie ihr eigenes Label, wobei «Funato der Präsident und Fuchigami die Vorsitzende ist».

Dieses Jahr werden «Fuchigami to Funato» zum ersten Mal am 2. September im Cabaret Voltaire ihr Stelldichein geben, bevor es am 18. September in ihre Zürcher Heimat, dem Helsinkiklub, geht. Der «züritipp» hat sie vor ihrer Europa-Tournee besucht und festgestellt, dass der Dadaismus auch in der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto Einzug gehalten hat.

Lou Reeds «Walk on the Wild Side» oder Joe Dassin «Aux Champs Elysées» in japanischer Sprache gehören bei den Zürcher Auftritten zu ihrem festen Repertoire. Woher kommt dieser Bezug zur amerikanischen und französischen Musik?

Junko (Gesang): Wenn ich einem Song begegne, den ich mag, denke ich nie woher oder von wem er stammen könnte. Lou Reed ist einer von vielen Künstlern, der mir einfach gefällt. Die japanische Version von «Aux Champs Elysées» war ein grosser Hit in Japan. Damit sind wir aufgewachsen.

Sie beide sind in Kyoto aufgewachsen. Welche Musik hat sie in ihrer Kindheit beeinflusst?

Hiroshi (Kontrabass): Mein älterer Bruder hörte früher Rock. Also habe ich auch Rock gehört. Später stieg er auf Jazz um. Also stieg ich auf Jazz um.

Junko: Meine Familie hörte nicht wirklich Musik. Meine erste Musikerlebnisse bezog ich daher aus dem Fernsehen, Radio oder von der Strasse.

Viele ihrer Songs haben etwas Nostalgisches an sich. Sie erinnern an die Zeit vor 1989, als Japans Wirtschaftsmotor brummte und viel Zuversicht im Land herrschte.

Junko: Hören sich unsere Lieder wirklich so nostalgisch an? In unserer Kindheit wurden wir stark von westlicher Musik geprägt. Ich glaube deshalb nicht, dass wir uns besonders nostalgisch anhören.

Ganz sicher nicht?

Junko: In unserer Kindheit und Jugend gab es viele Lieder, deren Melodie und Texte jedermann vor sich hin singen konnte. Diese Art von Musik hat uns sicherlich beeinflusst.

Vermeintliche Kinderspielzeuge werden bei ihnen zu Instrumenten umfunktioniert. Wie kam es dazu?

Junko: Ursprünglich war es Hiroshi, der für seine Jazz-Auftritte die verschiedensten Gegenstände zu Musikinstrumenten umfunktionierte. Als wir erstmals zusammen auftraten, verliessen wir uns lediglich auf meinen Gesang und Hiroshis Kontrabass. Aber irgendwie fühlte sich das so einsam an. So habe ich verschiedenste Instrumente und Spielzeuge zusammengekauft und auf der Bühne ausprobiert. Auf diese Art ist unser Stil entstanden.

Junko, mit ihrem Humor verstehen sie es das Publikum zu unterhalten. War das schon immer so?

Junko: Ich bin grundsätzlich eine zurückhaltende Person. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich die Leute zum Lachen bringen kann. Im Alltag fallen mir immer wieder Dinge auf, die mich zum Schmunzeln bringen. Diese Beobachtungen sind mit auf der Bühne nützlich.

Es ist bereits ihr sechster Auftritt in der Schweiz. Was haben sie für eine Beziehung zum Land? Was ist ihr Bild der Schweiz?

Junko: Unsere Musik hat uns mit Schweizern zusammengebracht. So haben wir schliesslich die Chance bekommen in Zürich aufzutreten. Mein Bild der Schweiz? Arbeitsame Menschen.

Hiroshi: Mein Bild der Schweiz ist Heidi. Der japanische Trickfilm dazu hat mich als Kind zum Lachen und zum Weinen gebracht.

Was gefällt ihnen besonders an Zürich? Was finden sie komisch an Zürich?

Junko: Nach sechs Jahren, fühle ich mich in Zürich schon ein bisschen wie zu Hause. Immerhin fängt unsere alljährliche Konzerttour durch Europa jeweils in dieser Stadt an. Und natürlich mag ich das Zürcher Brockenhaus. Wie man ein Trambillett in Zürich kauft, habe ich nie wirklich verstanden.

Sie werden zum ersten Mal im Cabaret Voltaire im Dada-Haus auftreten. Ist der Dadaismus ein Begriff in Japan?

Junko: Vom Dadaismus habe ich mal in der Schule etwas gelernt. Vor einigen Jahren schrieb ein Konzertkritiker nach einem unserer Auftritte in Zürich: «Das ist Dada!». Da hab ich mit dem Begriff ein bisschen befasst. Sehr viel weiss ich aber nicht darüber.

Wie ist das Schweizer Publikum?

Hiroshi: Da gibt es keine grossen Unterschiede zu Japan…aber vielleicht doch: Die Schweizer sind grösser und beleibter.

Eine letzte Mitteilung ans Schweizer Publikum.

Junko: Ich freue mich auf unseren Auftritt in Zürich.

Hiroshi: Ich hätte gerne ein Schweizer Bankkonto.

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