Tages-Anzeiger



Weite Weiden

Von Matthias Bachmann. Aktualisiert am 26.01.2012

Mastodon zählen zur seltenen Gruppe echter Metal-Bands, die auch Nicht-Metal-Fans grosse Freude bereiten.

Harte Freigeister in Rockstar-Pose: Mastodon.

Harte Freigeister in Rockstar-Pose: Mastodon.


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MASTODON - OBLIVION

Ein bisschen Selbstüberwindung kostet es schon, bis man ein richtiger Mastodon-Fan ist. Es beginnt beim Band-Namen: Der bezeichnet ein ausgestorbenes Urtier, einen zu gross geratenen Vorläufer des Elefanten. Die vier ersten Alben des Quartetts – erschienen zwischen 2002 und 2009 – erforschten die Elemente Feuer, Wasser, Erde und deren Quintessenz. Tja, der Metal liebt das Denken in kosmischen Dimensionen, und Mastodon sind eine waschechte Metal-Band.

Gleichzeitig zählt das Quartett aus Atlanta zu den freiesten Geistern seit David Bowie, den Melvins und der «Muppet Show». Man höre sich einfach ihr aktuelles, fünftes Album «The Hunter» an. Es ist dem Bruder von Sänger und Gitarrist Brent Hinds gewidmet, der bei einem Jagdunfall gestorben ist. Aber nur ein einziger Song handelt von Jagdunfällen. Der Rest macht, was er will. Die Lieder weiden sich satt in einer riesigen Prärie von Stimmungen und Stilen, die sich vom Prog-Rock à la Yes bis zum Sludge-Rock à la Neurosis zieht. «Die wahrscheinlich grösste Sache, die uns verbindet, ist der freie Geist der 1970er», charakterisierte Bassist und Sänger Troy Sanders kürzlich die eigene Band.

Mit diesem freien Geist gehen Mastodon diszipliniert um. Bei aller Virtuosität geben sie langen Dribblings keinen Raum, ganz im Sinne moderner Fussballtrainer: Das Zusammenspiel richtets. Die Soli sind kurz, die Kabinettstücke des Drummers glatt zu überhören und die Songs eine eingängige Wucht. So funktionieren die Queens of the Stone Age in ihren besten Momenten. Statt sich wie diese im Rest der Zeit zum Witz zu machen, halten es Mastodon lieber mit Lemmy Kilmister von Motörhead: grimmig gucken, auf den Stockzähnen grinsen und am Abend alles an die Wand spielen.

Eintritt 55 Franken

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