Kellerkinder ganz oben
Von Dominik Dusek. Aktualisiert am 26.01.2012
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«Uns geht immer etwas auf den Wecker»
Wenn die Black Keys nicht gerade an schwerem Schlafmangel leiden, sind die beiden spitzzüngige Interviewpartner. Die markantesten Zitate:
Über ihren schnellen Veröffentlichungsrhythmus
Patrick Carney: «Wenn man lange Pausen macht, wirds nicht besonders gut. Haben Sie «Chinese Democracy» von Guns N Roses gehört? Für die Platte haben sie sieben Jahre gebraucht. Ich meine, einen Palast zu bauen, das könnte vor 300 Jahren vielleicht sieben Jahre gedauert haben.»
Über Nashville, wo sie heute leben:
Dan Auerbach: «Nashville ist wirklich bizarr.»
Carney: «Abgesehen von klassischer, alter Countrymusic ist die Szene völlig uninspirierend. Aber vielleicht ist das ja inspirierend: Musik um sich zu haben, die derart uninspirierend ist.»
Über ihre Miesepetrigkeit
Auerbach: «Hören Sie mal, wir werden immer frustriert sein, ganz egal, wo wir leben. Das hält unseren Kampf am Leben. Sogar, wenn wir Headliner an einem Festival vor 600 Millionen Leuten wären, würde uns immer noch irgendetwas auf den Wecker gehen.»
Über ihren Hitparadenerfolg
Carney: «Die meiste Musik an der Spitze der Hitparade ist immens schrecklich. Die Tatsache, dass unsere Platte in den Top 5 war, ist der einzige Grund, warum die Leute überhaupt über sie reden. Genau wie bei Arcade Fire, The National, Spoon oder Wilco. Es ist ein Schock, wenn jemand, der kein Schleimscheisser ist, an die Spitze der Hitparade vorstösst.»
Nein, Revolution ist es keine: Eine verzerrte Gitarre schwillt kurz an, ein Riff wird zweimal durchgespielt, dann setzt das Schlagzeug mit einem schweren Rhythmus ein, den es schon in den 60er-Jahren gab. Das Lied klingt gut gelaunt und erzählt doch von Zurückweisung. Es heisst «Lonely Boy» und eröffnet das neue Album der Black Keys, «El Camino».
Wenn ein Duo mit solchen Mitteln 2012 die Maag Event Hall problemlos ausverkaufen kann, ist es verführerisch, in das Lied mancher Kritiker mit einzustimmen, dessen Refrain lautet: «It’s all been done before.» Alles schon mal da gewesen. König Retro regiert die Popmusik.
Klar: Dan Auerbach und Patrick Carney mögen den Klang natürlicher Trommeln und elektrisch verstaubter Akkorde, besonders, wenn diese nur mittelgut aufgenommen wirken. Aber seit sie in den USA mit «Thickfreakness» 2003 erstmals Aufmerksamkeit erregten, haben sie sich in aller Seelenruhe weiterentwickelt.
Einst sassen sie in der Industriestadt Akron, Ohio, in Carneys Keller herum und spielten ihre Version von Bluesrock: karg, dreckig und etwas gar gut abgehangen. Sie machten das zu zweit, weil es in Akron «nur vielleicht zwei andere geeignete Musiker gab, und die kifften lieber und spielten Videospiele, als zu Proben zu kommen», wie Carney 2011 der «New York Times» erzählte. Im selben Interview gab Gitarrist Auerbach auch zu Protokoll, dass Schlagzeuger Carney Blues hassen würde, aber das muss man nicht masslos ernst nehmen; die beiden sind begabte Sich-in-Rage-Reder (siehe Zitate rechts oben).
Aber zurück nach Akron. Behutsam, aber stur reizten die Black Keys ihre begrenzten Mittel immer weiter aus. «Rubber Factory» (2004) klang schon deutlich bunter als sein Vorgänger. Später stellten sich Auerbach und Carney den Hip-Hop- und Gnarls-Barkley-erprobten Produzenten Danger Mouse zur Seite, sie starteten Blackroc, ein Nebenprojekt mit Leuten von A Tribe Called Quest und Wu-tang Clan, sie bauten fröhliche Orgelmelodien in ihre Musik ein, bis sie schliesslich 2010 mit «Brothers» den ganz grossen Erfolg landeten. Das Album stieg auf Platz drei der US-Hitparade ein.
Ohne dass sich der Bandsound jemals dramatisch verändert hätte, strahlte nun Soul durch die Lieder. Auerbach sang bisweilen Falsett. Die Band zog nach Nashville, «Brothers» erhielt drei Grammys. Zwar war der Erfolg langsam gewachsen, doch er setzte der Band zu. Letztes Jahr sagten die Black Keys wegen Erschöpfung eine ganze Australien-Tour und viele Konzerte in Europa ab, darunter auch jenes in der Roten Fabrik.
Die Aufgabe, für «Brothers» ein Nachfolgealbum zu machen, das die soulige Erfolgsformel nicht wiederholt, löste das Duo aber mit Würde. «El Camino» ist rockiger, zupackender, grundiert in einer Art rohem Disco-Feeling. «Vielleicht sind die Kids, die mit den Jonas Brothers aufgewachsen sind, zu alten Männern geworden», erklärte Carney die anhaltende Hysterie um die Black Keys. Sind sie auch keine Revolutionäre, so doch wohltuend sarkastische Schalke. Dieser Schalk und ihre Melodien haben die Black Keys in Zürichs zweitgrösste Konzerthalle gebracht.
BLACK KEYS - LONELY BOY:





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