Spot(t) aus Osten
Von Paulina Szczesniak. Aktualisiert am 12.01.2011
Eigentlich kennen Künstler ja keine geregelten Arbeitszeiten. Dennoch versuchte sich Nada Nakonechna während ihres halbjährigen Stipendienaufenthalts in Zürich als «Büezerin»: In jeweils neun Stunden schuf die 29-jährige Ukrainerin eine Zeichnung pro Tag. Bei einem gutschweizerischen Stundenlohn ergäbe dies einen Verdienst von 315 Franken. Und für genau diesen Betrag sind Nakonechnas feinlinige Unikate nun auchin der Stiftung Binz 39zu kaufen: im Rahmen der Ausstellung «2 Geschichten, 3 Welten», welche die Künstlerin derzeit mit ihrem Landsmann und Co-Stipendiaten Ivan Bazak bestreitet.
Dass Nakonechnas Tagewerk in ihrer Heimat nicht einmal ein Zehntel einbrächte, führt das wirtschaftliche Gefälle zwischen Ost und West drastisch vor Augen. Wie aber steht es um kulturelle Unterschiede? «Das Schweizer Publikum», sind sich die beiden Künstler einig, «hat ein anderes Verhältnis zur Kunst.» Vielleicht liege dies daran, dass man hier nie mit der Problematik von Propagandakunst konfrontiert war. «Jedenfalls sind die Schweizer leichter dazu zu bringen, sich auf ein Werk einzulassen. Sie nehmen sich länger Zeit, es zu studieren.»
Ebenso spürbar sei freilich ein Hang zur Isolation: Als Antwort auf die Holzhammerrhetorik gewisser rechtspopulistischer Wahlplakate hat Nakonechna, nicht ohne Humor, ein stachelbewehrtes Gitterobjekt kreiert, das man wie einen Rollator vor sich herschieben kann. Weniger brachial ist da die Bildsprache Ivan Bazaks: Mithilfe von Diaprojektoren leuchtet er jene Ecken des Ausstellungsraumes aus, welche sonst im Dunkeln liegen – und illustriert so auf simple und einleuchtende Weise, wie das Wahrnehmen vermeintlicher Nebenschauplätze den Horizont erweitern kann. (psz)
Vernissage Do 13.1., ab 18 Uhr. Bis 12.2. Do–Sa 14–18 Uhr. «Invisible Borders», Diskussion mit Lada Nakonechna und Ivan Bazak: Fr 14.1., 17 Uhr. ZHdK, Förrlibuckstr. 62, 2. Stock



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