Pinselführung
Von Daniel Morgenthaler. Aktualisiert am 08.12.2011
Malen wird einfach nie langweilig. Oder wie würde man es sonst aushalten, 30 Jahre lang immer nur ein und dieselbe Person zu porträtieren – wie das der Holländer Philip Akkerman tut? Seit 1981 bildet der heute 54-Jährige nämlich nur sich selbst ab. In altmeisterlicher Manier auf Holz zwar, aber unter Zitieren von ganz und gar unaltmeisterlichen Stilrichtungen wie Ex- und Impressionismus oder gar mit Abstechern in die Abstraktion. In der Galerie Bob van Orsouw ist nun eine Auswahl von Extremfällen aus den Tausenden seiner Selbstporträts versammelt: Akkermans Antlitz ist hier also schon mal von einer gelben Sonne durchbohrt, übermalt oder fast nicht mehr figurativ gemalt zu bestaunen.
Kein Wunder, verliert der Träger des Gesichts ob all dieser Darstellungsmöglichkeiten die Lust an der bildhaften Selbstversicherung nicht. Dass auch das Publikum von der Malerei alles andere als genug hat, zeigt das aktuell sehr üppige Angebot von Pinselkunst in Zürcher Galerien. Barbara Ellmerer (geb. 1956) etwa geht hin und erfindet auf der Leinwand die Natur neu. Obwohl die Motive der Zürcherin, die momentan bei Andres Thalmann zu sehen sind, durchaus naturnah erscheinen, sind sie nicht «en pleine nature» gemalt. Vielmehr sind die abgebildeten Blüten und vor Fülle berstenden Früchte nur in Ellmerers Kopf gewachsen; der Bildraum war hier Zuchtbeet für organische Experimente, sozusagen. Und davon, dass mithilfe der entsprechenden Technik so manches Hirngespinst (auch ganz unmalerische) Realität werden kann, können wir, die wir im Zeitalter der Genmanipulation leben, schliesslich ein Liedchen singen.
Nicht bei der eigenhändigen Erschaffung von brandneuen Pflanzen belässt es derweil Tatjana Gerhard. Von den Leinwänden der 37-jährigen Zürcherin lugt uns vielmehr frei erfundenes, skurriles Bildpersonal entgegen – wie derzeit anhand neuer Arbeiten in der Galerie Rotwand zu erleben. Bisweilen scheinen die gemalten Protagonisten derart frisch zu sein – nicht zuletzt deshalb, weil der für Gerhard charakteristische Firnis der Gemälde sie wie nass glänzen lässt –, dass sie sich erst noch für eine eigene Identität entscheiden müssen: Auf einem grösseren Format jongliert eine Figur gleich mit drei passenden Köpfen in der Luft.
Damit ist das Persönchen eigentlich wieder ein kleiner Philip Akkerman. Nur, dass Letzterer eben (mithilfe seines Galeristen) gleich mehrere Tausend Gesichter gleichzeitig in der – für Malerei nie wirklich dünn werdenden – Luft des Kunstmarkts halten kann.
www.andresthalmann.com
www.bobvanorsouw.ch
www.rotwandgallery.com



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