Parfüm und Parasiten
Aktualisiert am 24.11.2011
Stellen Sie sich eine Pfahlbauersiedlung am Bodensee vor. Es ist früh am Morgen, Nebelschwaden hängen über dem Ufer. Der Vater zeigt seinem Sohn gerade, wie man Pfeilspitzen schleift. Mutter hantiert mit Mühlsteinen. Auf dem Feuer köchelt das Frühstück, bald ist Essenszeit.
So weit, so romantisch. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Sonderausstellung des Museums Kulturama an und bricht das Klischee auf &endash mit konservierten Kotresten. Ausgrabungen haben gezeigt: Mit Körperhygiene war es damals nicht weit her. Es fehlte an Latrinen und Zahnbürsten. Parasiten wie Peitschenwurm und Leberegel waren weit verbreitet, die Menschen litten an Durchfall und Bauchschmerzen.Dieser nüchterne Blick auf die Pfahlbauerzeit ist bei «Eau & Toilette» der Auftakt zu einer 6000 Jahre langen Reise durch die Geschichte von Körperpflege und Sauberkeit. Die Schau dreht sich um die grossen Fragen, um Klos und Kanalisationen, aber auch um Details: Benutzten römische Frauen Lippenstift? Wie roch Napoleons Parfüm? Und wie viel Wasser verbraucht ein Schweizer heute eigentlich, um sich sauber zu halten?
«Eau & Toilette» ist nicht keimfrei. Neben hygienischen Errungenschaften wird bewusst auch Unsauberes thematisiert. So kommen bei den Römern nicht nur die berühmten Badehäuser zur Sprache, sondern auch die Läuse, die Forscher an ausgegrabenen Kämmen gefunden haben. Und aus der napoleonischen Zeit erfährt man alles über das Pflegen von aufwendigen Perücken, aber man lernt ebenso, dass in vornehmen Häusern die Sitte herrschte, die Wandtapete abzureissen, um sie als WC-Papier zu benutzen. Erst ganz am Schluss endet die Ausstellung im sauberen Heute, beim Hightech-Dusch-WC mit integriertem Föhn, programmierbar für vier Personen.
Übrigens: Ja, römische Frauen benutzten Lippenstift – aus Ockerpulver. Napoleon roch nach Kölnischwasser mit einem Hauch Zitrone. Und jeder Schweizer braucht täglich 101 Liter Wasser zur Körperpflege. In Trinkwasserqualität.



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