Tages-Anzeiger



Kunst Aktuell Mai 36 Galerie

Öl auf Leinwand war gestern

Von Paulina Szczesniak. Aktualisiert am 15.09.2010

Malerei und Flächenkunst sind wieder in. Ein Blick in Zürcher Galerien zeigt, dass sich zeitgenössische Künstler als überaus einfallsreich erweisen, wenn es darum geht, das Medium aufzupeppen.

Pendelt zwischen Kubismus und Pop Art: Magnus Plessens «Jahrmarkt» bei Mai 36.

Pendelt zwischen Kubismus und Pop Art: Magnus Plessens «Jahrmarkt» bei Mai 36.

Mai 36 Galerie

Adresse: Rämistrasse 37
8001 Zürich
Telefon: 044 261 68 80
Url: http://www.mai36.com

Los, geben Sies zu: Auch Sie standen schon einmal vor einem Gemälde und waren ob des Dargestellten etwas planlos. Was aber, wenn es dem Künstler ebenso ergeht? Für Magnus Plessen (geb. 1967) ist dies gewissermassen das tägliche Brot: Der Deutsche konzipiert seine Werke nämlich zeitgleich mit deren Entstehung. Und bringt so weniger klar erkennbare Szenerien auf die Leinwand als vielmehr eine Ansammlung einzelner Fragmente. Hier eine Farbe, da eine Form, dort eine angedeutete Bewegung, die sich - vom Künstler grob strukturiert und übereinandergeschichtet - auf dieselbe Weise zu einem Bild zusammenfügen, wie in unseren Köpfen bisweilen unzählige Details eine Erinnerung formen. Und so, wie das Gedächtnis mit der Zeit Gewisses verblassen und anderes sich festsetzen lässt, finden sich auf Plessens Leinwänden satte Farbflächen neben fein gezogenen Kreidelinien. Und immer wieder kleine, bunte Flächen, die wie überdimensioniertes Konfetti durchs Bild segeln: einst mit Klebeband abgedeckte und nun wieder freigelegte Stellen; Fensterchen zu tieferliegenden Farbschichten - und hochkommenden Gefühlen.

Bunt geht es auch bei Thomas Grünfeld zu und her. Auf seinen Bildern lässt der 54-Jährige schon mal einen Pferdeschweif unter einem Minijupe hervorlugen oder eine Pistole auf Rädern an lieblich rosafarbenem Hintergrund vorbeiziehen. Doch egal, ob Ponymädchen oder rollendes Schiess-eisen, die Konturen scheinen stets mit dem Messer gezogen. Und das sind sie in der Tat: Denn Grünfeld greift für seine Werke keineswegs zu Pinsel und Palette, sondern schneidet sie sich stattdessen aus buntem Filz zurecht. Die so entstandenen Flachreliefs verlocken mit ihrer pelzig-weichen Oberfläche zum Drüberstreichen. So schnell mutiert Flächenkunst zu einer griffigen Angelegenheit - und zwar mit akademischem Gütesiegel: Seit 2004 ist Grünfeld nämlich Professor an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie - für Bildhauerei, wohlgemerkt!

Auch Hannu Karjalainen (geb. 1978) wildert im Revier der Malerei. Nicht dass der Finne keine Flüssigfarbe verwenden würde. Er tut dies sogar exzessiv. Statt sie allerdings auf die Leinwand aufzutragen, appliziert er sie lieber direkt auf seine Modelle - entweder, indem er ihnen vor laufenden Kameras einen Eimer davon über dem Kopf ausleert, oder, wie derzeit bei Rotwand zu sehen, indem er sie in mit Farbe getränkte Kleider steigen lässt und dann fotografiert. Bewundernswert gelassen blicken die Modelle in ihren triefenden Outfits in die Linse - auch wenn sie es sich anders vorgestellt haben dürften, «in Öl» porträtiert zu werden. Magnus Plessen: Galerie 36, Rämistrasse 37 Bis 16.10., Di-Fr 11-18.30, Sa 11-16 Uhr

Thomas Grünfeld: Galerie Haas AG, Talstrasse 62a Bis 1.10., Mo-Fr 10-12.30, 14-18 Uhr

Hannu Karjalainen: Galerie Rotwand, Lutherstrasse 34 Bis 16.10., Mi-Fr 14-18, Sa 11-16 Uhr

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