Tages-Anzeiger



Nicht gelb, nicht rot, nicht blau ...

Von Karolina Dankow. Aktualisiert am 02.11.2011

Sie verweisen auf Würde, Unschuld oder Klarheit: Schwarz und Weiss, den beiden Farbpolen wird im Museum für Gestaltung eine eigene Ausstellung gewidmet.

Der Tod trögt gern Karos. Zumindest aus der Sicht des mexikanischen Künstlers Gabriel Orozco.

Der Tod trögt gern Karos. Zumindest aus der Sicht des mexikanischen Künstlers Gabriel Orozco.
Bild: Gabriel Orozko / Marian Goodman Gallery, New York


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Welche Farbe hat der Rollkragenpulli eines Architekten? Klar. Und Ärzte nennt man die Götter in ...? Eben. Weiter gehts mit dem Schachbrett, dem Brautkleid, dem Smoking, dem White Cube, der Black Box, Malewitschs Schwarzem Quadrat auf weissem Grund, und so weiter. Die beiden (Nicht-)Farben Schwarz und Weiss haben kulturell eine ausserordentliche Bedeutung. Sie erheben Anspruch auf das Absolute und sind mannigfaltig konnotiert. Wer Weiss sieht, denkt an Reinheit oder Unendlichkeit; Schwarz assoziieren wir etwa mit Eleganz oder Spiritualität. Im Zusammenspiel von Schwarz und Weiss eröffnet sich ein scharfer Kontrast, zwischen den beiden Polen eine weite Palette an Grautönen. Diese Bandbreite untersucht das Museum für Gestaltung mit der Ausstellung «Schwarz Weiss – Design der Gegensätze».

Der Parcours beginnt mit einer kunsthistorischen Einbettung und Werken aus der Sammlung des Hauses Konstruktiv. Andere Exponate, etwa ein schwarz-weiss karierter Schädel von Gabriel Orozco, verweisen auf gängige Farbassoziationen – Unendlichkeit! Tod! – oder beschäftigen sich mit der Einordnung des Farbduos in verschiedene Farbtheorien. Die Bereiche Mode, Design und Architektur füllen drei ganze Räume; je einen in Schwarz, Weiss und Schwarzweiss. Beispiele modernistischer Gebäude zeigen, dass – obwohl Farben gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine grosse Rolle spielten – wir die Moderne gern durch die schwarzweisse Brille von Klarheit und Konzeptualität sehen.

Design-Schätze wie das 80er-Jahre-Geschirr «Broken» des Schweizer Ehepaars Trix und Robert Haussmann – auch intakt sieht es aus, als wäre es zerdeppert worden – oder der 20 Jahre jüngere «Chair One» von Konstantin Grcic spinnen den Diskurs weiter, ebenso Modekreationen von Akris oder Martin Margiela. Dabei wird vor allem deutlich, wie radikal und ausdrucksstark die Reduktion von Farbe wirkt. Kein Wunder also, tragen die eingangs zitierten Architekten gerne Schwarz. Ob auch der Stilexperte Jeroen van Rooijen zu seinem Vortrag Mitte Dezember im schwarzen Anzug mit blütenweissem Hemd erscheint, bleibt abzuwarten.

Vernissage Di 8.11., 19 Uhr

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