Tages-Anzeiger



Kunsthaus Zürich

«Jubelrufe im Laden kommen vor»

Interview: David Sarasin. Aktualisiert am 25.02.2015

Die landesweit einzige Messe für wertvolle Bücher und Grafiken wird 20. Der Präsident der Schweizer Buchantiquare über Staub, Trennungsschmerz und den männlichen Sammeltrieb.

Insektenlarven-Magazine gibts an der Antiquariatsmesse auch.

Insektenlarven-Magazine gibts an der Antiquariatsmesse auch.

Peter Bichsel.

Kunsthaus Zürich

Adresse: Heimplatz 1
8001 Zürich
Telefon: 044 253 84 84
Url: http://www.kunsthaus.ch

Herr Bichsel – Ihr Beruf ist wohl nichts für Stauballergiker.
So ist es. Vor allem, weil sich nur wenig von dem, was man im Staub findet, als wertvoll entpuppt. Bisweilen stösst man aber doch auf ein Goldkorn im Sand: Unlängst hab ich in einem Stapel Taschenbüchern eine Ausgabe von Max Frischs «Marion und die Marionetten» entdeckt, die nur in 100 Exemplaren erschienen ist.

Nicht schlecht! Aber im Wert wohl nicht mit den Spitzenstücken der Messe vergleichbar.
Gewiss nicht. Heuer wird zum Beispiel ein naturhistorisches Buch über die Insekten Surinams angeboten, entstanden 1771. Es kostet 70'000 Franken. Wer nicht so auf Krabbeltiere steht, dem lege ich den Stapel des Kult-UFO-Magazins «Saucer News» aus den 60ern ans Herz. Kostenpunkt: 1300 Franken. Man wird aber auch unter 100 Franken fündig.

Warum sind die meisten Buchsammler eigentlich Männer?
Das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht, weil der Mann tendenziell eher zum Ansammeln neigt?

Macht die Digitalisierung des geschriebenen Wortes Ihrem Metier zu schaffen?
Im Gegenteil! So können wir zunehmend Objekte mit Seltenheitscharakter anbieten. Gerade für jüngere Leute hat das schön gestaltete Buch – als Kunstobjekt, nicht als Informationsquelle – wieder einen höheren Wert.

Aber der Altersdurchschnitt Ihrer Klientel liegt trotzdem über 50.
Momentan findet ein Generationenwechsel statt. Der Nachwuchs kommt oft aus dem Bereich Gestaltung und Grafik.

Ist Raubkunst eigentlich auch im Buchhandel ein Thema?
Kaum. Natürlich muss auch der Antiquar Rechenschaft über die Herkunft seiner Ware ablegen können. Allerdings sind von einem Buch meist mehrere Exemplare im Umlauf, sodass es nicht den unikalen Wert eines Gemäldes erreicht.

Was der Begeisterung des Sammlers keinen Abbruch tun dürfte. Jubelrufe im Laden?
Das gibt es immer wieder. Meist wegen eines kleineren Büchleins mit emotionalem Wert, das jemand lange gesucht hat.

Tuts bisweilen nicht auch weh, ein lieb gewonnenes Stück abzugeben?
Und ob! Anderseits sind das auch die liebsten Verkäufe – die man hoffentlich an die liebsten Kunden macht.

www.bookfair.ch

Fr 15–20 Uhr
Sa 11–18 Uhr
So 11–17 Uhr

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