Inestäche, umeschlaa...
Aktualisiert am 27.04.2011
Zusehends fallen in der S-Bahn, im Wartesaal oder auf diversen Parkbänken junge Personen auf, die nicht wie wild auf die Tastatur ihres iPhones einhacken, sondern sich einer entspannten Strickarbeit hingeben. Zugegeben, das sind meist Frauen; doch dem Klischee der alten Jungfer oder Körnlipickerin entsprechen sie nicht. Im Gegenteil – sie haben die Nase hoch im Trendwind und stricken den Schal für den Boyfriend oder den angesagten Winterpulli gleich selbst.
Handarbeiten wie Stricken, Sticken und Nähen haben in den letzten Jahren ein Revival erlebt. Ganz überraschend kommt das nicht: In Zeiten von Slow Food, Yoga und einer verstärkten Diskussion um Nachhaltigkeit sind Hobbys, die Entschleunigung, praktischen Nutzen und Sorgfalt vereinen, im Aufwind. Dass Handarbeit auch künstlerisch genutzt werden kann, wissen wir spätestens seit Rosemarie Trockels cleveren Strickbildern, welche die Monumentalität einer monochromen Malerei mit der leicht verpönten Verarbeitung von Wolle verschränken. Die deutsche Künstlerin hat die Macht der Masche früh erkannt und vielleicht sogar etwas zu ihrer wiederkehrenden Popularität beigetragen.
Die Ausstellung «Neue Masche – gestrickt, gestickt und anders» im Museum Bellerive greift diesen Faden wortwörtlich auf, indem sie die neue Herangehensweise an traditionelle Handarbeiten in Mode, Kunst, Architektur und Design beleuchtet. Raus aus der Häuslichkeit, zieht sich der rote Faden bis hin ins World Wide Web, wo sich Strickfans in sogenannten Craft Communities zusammentun. Aktiv werden kann man auch in der Ausstellung: etwa im Rahmen eines künstlerischen Gruppenhäkelns sowie in diversen Workshops. (kdw)
Vernissage mit Tanzperformance im Lusthäkelgarten: Do 28.4., 19 Uhr.
Bis 24.7., Di–So 10–17 Uhr (auch 1.5.), Do 10–20 Uhr.



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