Im Schoss
Aktualisiert am 20.01.2011
Subtil ist es nicht gerade, was derzeit bei Katz Contemporary im Raum steht: etwa eine Marienstatuette, die anstelle eines gloriolengekrönten Hauptes eine goldglänzende Vulva vorzuweisen hat. Oder jener wohlgenährte Frauentorso, an dessen alabasterfarbenem Busen ein missgebildeter Säugling liegt – und seine Milch nicht etwa aus Brüsten, sondern aus Penissen verabreicht bekommt. Wenn Selina Baumann (*1988) ihrer Inspiration freien Lauf lässt, nimmt diese schon mal Formen an, die man als zügellos bezeichnen könnte. Dabei will die junge Schweizerin ihren formalen Griff unter die Gürtellinie keineswegs als plumpe Provokation verstanden wissen. Ihre glasierten Keramiken sollen vielmehr ein bissiger Kommentar sein zu einer Generation, die zwar jegliche (sexuelle) Hemmung abgestreift zu haben glaubt, im Kern aber von einer Prüderie beherrscht wird, die sich gewaschen hat. Klare Ansagen bedürfen einer unmittelbaren Bildsprache – und die sitzt für Baumann nun einmal zwischen den Beinen.
Ähnlich argumentiert auch Frédérique Loutz (*1974), deren bunte Zeichnungen allesamt dem Frauenschoss zu entspringen scheinen (siehe Bild). Feiner in Ton und Motiv sind da die Bleistiftskizzen der Chilenin Sandra Vásquez de la Horra (*1967), in denen Bild und Schrift eine geheimnisvolle, verstörende Allianz eingehen, die bisweilen an Goya erinnert. Zusammen mit Baumann bilden sie nun ein Dreigespann, das weibliche Sexualität in wahrlich fantastische Bilder übersetzt.
Bis 12.3.Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 12–16 UhrPerformance mit Frédérique Loutz im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1 Di 25.1. 19.30 Uhr. Eintritt 15 Franken.



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