Tages-Anzeiger



Kunst Aktuell Galerie Kashya Hildebrand

Asien im Sucher

Von Paulina Szczesniak. Aktualisiert am 30.06.2010

Die Fotografie boomt, und Asien ebenso. Nun zeigen gleich zwei Zürich Galerien Fotokunst aus China und Japan - Bilder zwischen Tradition und Fortschritt.

Verschwindend klein, dafür gleich auf beiden Seiten des Kanals: Chi Peng in seinen Traumbildern.

Verschwindend klein, dafür gleich auf beiden Seiten des Kanals: Chi Peng in seinen Traumbildern.
Bild: Chi Peng/Hammer Gallery

Galerie Kashya Hildebrand

Adresse: Talstrasse 58
8001 Zürich
Url: http://www.kashyahildebrand.org

«Geschaffen aus den Essenzen des Himmels und den feinen Düften der Erde» - eine edle Mischung ist das. Und gleichzeitig der Stoff, aus dem der Legende zufolge der sagenumwobene Affenkönig besteht. Die im asiatischen Raum sehr populäre Fabelgestalt ist dafür bekannt, mit ihrem ungestümen Verhalten, ihrem eigensinnigen Humor sowie Mut und Weisheit festgefahrene Strukturen herauszufordern. Kein Wunder also, dass sich der Fotokünstler Chi Peng (geb. 1981) mit dem quirligen Rebellen identifizieren kann: Der Chinese sorgt mit seinen Werken für Aufsehen, weil er darin thematisiert, was ihn bewegt - und das ist in erster Linie seine Identität als Homosexueller in einer diesbezüglich noch rückständigen Welt.

In der erst kürzlich eröffneten Hammer Gallery in Zürich zeigt der junge Fotograf seine neuesten Arbeiten, in denen er auf oft beeindruckenden Formaten eine hochästhetische Traumwelt inszeniert. Kulisse ist der Ozean mit einem mal klaren, mal wolkenverhangenen Horizont; Möwen durchschneiden die Szenerie. Und darin, nachdenklich aufs Meer hinausblickend: der Künstler selbst, mal in der Tracht des Affenkönigs, mal in schlichtem Schwarz gekleidet, bisweilen vervielfältigt, meist verschwindend klein - aber stets dominant. Es sind keine realen Orte, die Chi Peng uns vorsetzt. Was wir sehen, ist vielmehr sein Innenleben - das Reich eines Affenkönigs des 21. Jahrhunderts.

Auf eine kulturelle Galionsfigur greift auch der Japaner Kanjo Take (geb. 1953) zurück: Bei Klaus Hammer zeigt er eine Geisha, die ihren Kimono schleiergleich über dem Kopf gezogen hat. Den schweren Stoff leicht auseinanderhaltend, lässt sie den Betrachter einen Blick auf ihr traditionell geschminktes Gesicht und ihren nackten Busen erhaschen. In der steril-kühlen Erotik, die das Hybridwesen zwischen japanischer Gespielin und christlicher Madonna ausstrahlt, wird Takes Werdegang als Modefotograf fassbar; seine Neuauflage der heiligen Hure ist ein postmodernes Yin und Yang.

Gegenpole inszeniert schliesslich auch Nobuhiro Nakanishi (geb. 1976) bei Kashya Hildebrand: Der Japaner hat einen Sonnenaufgang - Symbol der Beständigkeit - dutzendfach fotografiert, die einzelnen Bilder auf transparente Kunststoffplatten aufgezogen und dicht hintereinander in den Raum montiert. Die kurze Zeitspanne, die auf diese Weise räumlich erfahrbar wird, kann man, je nach Positionierung zum Werk, auch rückwärts laufen lassen: Eine Rückkehr in die Vergangenheit ist für einmal möglich, ja sogar erwünscht. Was bleibt, sind ein Pendeln zwischen Melancholie und Frohsinn sowie ein Asien, das sich in einem neuen Kleid zeigt, seiner Tradition aber letztlich treu bleibt. Und in dieser Widersprüchlichkeit ebenso liebenswert ist wie der legendäre Affenkönig.

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1 KOMMENTARE

annemarie mattyhs

ichmach skuture plus maleii schau auf faisbokk annemarie herzliche grueese A.M.



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