Tages-Anzeiger



Spätschicht

Aktualisiert am 11.04.2012

Die Zürcher Galerien links der Limmat schieben Überstunden: Diesen Freitag laden sie erstmals zur Langen Nacht. Wir stellen fünf Highlights vor.

Asiatische Gongs? Nein, zwei Gemälde von Robert Schaberl, zu sehen bei Kashya Hildebrand.

Asiatische Gongs? Nein, zwei Gemälde von Robert Schaberl, zu sehen bei Kashya Hildebrand.

Fokus im Ausschnitt
Jessica Craig-Martin ist zwar die Tochter des Konzeptkünstlers Michael Craig-Martin. Ihr Vater im Geiste ist aber eher einer wie Fotograf Martin Parr: Während nämlich Craig-Martin senior bekannterweise schon von einem Wasserglas behauptet hat, es sei eine Eiche, fotografiert seine Tochter lieber die Sektgläser an Society-Anlässen. Ähnlich wie Parr findet sie dort humorvolle, aber auch fiese Bildausschnitte – nicht selten von fleischlichen Ausschnitten. Und während der Vater auch malt, blitzt die Tochter lieber Stöckelschuhe in Mondrian-Ästhetik ab.
Galerie Andres Thalmann Talstr. 66 Bis 5.5.

Seerosen im Pool
Hätten die Impressionisten schon in Pools geplanscht, hätten sie vielleicht gemalt wie er: Der Wiesbadener Leif Trenkler (geb. 1960) zitiert mit einer Arbeit bei Katz Contemporary einerseits das ultimative Impressionistenmotiv: die Seerosen. In anderen Gemälden – Trenkler malt meist altmeisterlich auf Holzgrund – haben aber amerikanisch wirkende Swimmingpools die Pariser Seine von Monet und Renoir ersetzt. Und statt gemütlich schwankender Bötchen liegen in dieser ersten Einzelschau des Künstlers in der Galerie schnittige Schnellboote vor Anker.
Katz Contemporary Talstr. 83 Bis 19.5.

Fliegen im Mund
Seine Frauenfiguren fliegen auf Fliegen: An der «Kunstszene Zürich» Anfang Jahr sah man bereits ein Video von MARCK, in dem eine Nackte ein Insekt von einer milchigen Scheibe schnappt. Nun zeigt die Barbarian Art Gallery weitere Videoskulpturen des Zürchers: räumlich arrangierte Bildschirme, in die oft eine Protagonistin auf die eine oder andere Art und Weise eingesperrt ist – und für das Abrufen einer menschlichen Urangst herhalten muss. Mal schauen, auf welche Ideen die Frauen in ihrer Isolation sonst noch so kommen.
Barbarian Art Gallery Bleicherweg 33 Bis 19.5.

Rundes im Eckigen
Manchmal muss auch in der Kunst das Runde ins Eckige. Zum Beispiel, wenn sich Maler auf ihrem meist rechteckigen Spielfeld, der Leinwand, für Kreisformen entscheiden. Robert Schaberl hat das gar zum Prinzip erhoben: Bei Kashya Hildebrand sind neue Arbeiten des Österreichers zu sehen, der jeweils in bis zu 70 Farbschichten formatfüllende Kreise auf den Malgrund bringt. Weil sie manchmal irisieren wie Metall, erinnern die Runde bisweilen an asiatische Gongs. Draufschlagen darf man zwar nicht, die meditative Stimmung geniessen aber schon.
Galerie Kashya Hildebrand Talstr. 58 Bis 14.4.

Ironie im Abseits
Von ganz jungen Künstlern ist man sich so einiges gewohnt. Nicht aber, dass sie konsequent und ironiefrei auf die Kraft der Farbe setzen. Bei der Elsässerin Flore Sigrist (geb. 1985) scheint aber genau das der Fall zu sein: In der Galerie Proarta sind neuere Arbeiten der Malerin versammelt, zu denen sie sich durch Landschaften oder Gärten inspiriert sah oder in denen sie die Dynamik von Tänzern einzufangen versuchte. Farbe und Bewegung können wir weiss Gott mehr brauchen in unserem Leben. Gelegentlich ein Schuss Ironie schadet aber sicher auch nicht.
Galerie Proarta Bleicherweg 20 Bis 20.4.

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