Tages-Anzeiger



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Von Deborah Keller. Aktualisiert am 04.01.2012

Ein Blick in das mediale Gesicht der Eidgenossenschaft gefällig? Das Landesmuseum zeigt Schweizer Pressefotografie von 1940 bis 2000.

1/9 Alles andere als ein Wintermärchen: Entgleister Zug am Lötschberg, 1978.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

   


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«Weisch no?» So dürfte es im Landesmuseum vor allem aus den Mündern älterer Semester bald wiederholt ertönen. In der Ausstellung «C’est la vie» werden Fotos aus den Archiven von zwei ehemaligen Schweizer Presse- bildagenturen gezeigt, die seit 2006 im Besitz des Landesmuseums sind. Die kleine Erinnerung in der grossen dürfte ob dieser Bilderflut da und dort geweckt werden, denn: Rund 500 Fotografien aus einem Fundus von mehreren Millionen (die Auswahl ist wohl nicht ganz leicht gefallen!) zeigen jüngste Schweizer Geschichte von 1940 bis 2000.

Keine Angst, man hat alles andere als eine anstrengende Endlos-Serie von kleinformatigen Schwarzweissfotos zu erwarten. Frisch und variantenreich sind die Bilder mal als klassische Abzüge reproduziert, mal aufgezogen auf Tafeln arrangiert oder zu grossformatigen Leuchtkästen aufgeblasen. Pavillons aus vorgefertigten Elementen von Jean Prouvé, ursprünglich Instant-Notunterkünfte für Kriegsflüchtlinge, dienen ausserdem als provisorische «Behausung» für die Exponate. Und statt einer trocken-geradlinigen Chronologie bieten neun Themenblöcke bestimmt etwas für jeden Gusto: Die Miss-Schweiz-Wahlen können im Wandel der Zeit ebenso überblickt werden wie das alljährliche Bundesratsreislein vor der Sommerpause.

Halten Sies weniger mit Stars, Sternchen und Politgrössen? Dann kommen Sie vielleicht bei spotlight-artigen Einblicken in das Leben im Zweiten Weltkrieg, den ehemaligen Platzspitz oder die Anfänge des Frauenstimmrechts auf Ihre Kosten. Aber nicht nur Stoff für Nostalgiker wird geboten, sondern auch für Medieninteressierte. Ein weiterer Themenstrang, der mit der Ausstellung beliefert wird, ist naheliegenderweise die Geschichte der Pressefotografie selbst. Klar – dass die Bilder in der Presse erst um 1970 farbig gedruckt wurden, könnte man sich noch zusammenreimen. Nur den betagteren Besuchern dürfte indes geläufig sein, dass die Tagespresse früher kaum bebildert war, dafür aber Wochenblätter mit ausgefeilten Fotoreportagen aus allen Lebensbereichen aufwarteten: Eine Home-Story über eine ältere Dame in ihrer kleinen Einzimmerwohnung oder eine Bildserie zum Schwimmunterricht in der Badi Wollishofen – so was gibts heute ja höchstens noch im Regionalblättli!

Grund für die Unterschiede im Umgang mit Bildmaterial damals und heute sind natürlich die Fortschritte in der Produktionstechnik – Stichwort analog/ digital, erhöhte Übermittlungsgeschwindigkeit und so weiter. Auch das wird in der Ausstellung nicht nur beschrieben, sondern direkt veranschaulicht: Originalutensilien aus einer Bildredaktion von «anno dazumal» werden einer Liveschaltung ins Pressebüro von Keystone gegenübergestellt. Lehrreich, spannend und dabei unterhaltsam ist diese «Geschichtslektion» also garantiert.

Ein letztes Beispiel zum Abschluss: Weisch no, wie Denise Bielmann aussah, bevor sie im Alter von knapp 40 Jahren den Girlie-Look adaptierte? In der Kategorie «Who is Who» hängt das Foto eines Fräuleins mit dunklem Bubikopf, scheuem Lächeln im Gesicht und jugendlich natürlicher Ausstrahlung: Denise Bielmann, 1980. Ei, wie die Zeit doch vergeht … Eh bien, c’est la vie – so isch s Läbe.

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