Dufte umhüllt
Von Deborah Keller. Aktualisiert am 30.11.2011
Es gibt gewisse Teenagersünden, die man mit fortschreitendem Alter gerne verschweigt. Die Schwärmerei für Jon Bon Jovi oder eine mit viel Haarspray malträtierte Haarpracht gehören in diese Kategorie, aber auch das leidenschaftliche Sammeln von Parfüm-Flacon-Miniaturen. Wie konnte man für die kitschigen Staubfänger nur so viel Geld ausgeben? Das fragt man sich spätestens beim Umzug in die erste eigene Wohnung, lässt die Fläschchen in einer Kartonbox verschwinden – und schweigt dieses Kapitel fortan tot.
Und nun dies: Das Museum Bellerive widmet diesem (eben doch sehr reizvollen) Luxusgut eine Ausstellung. «Parfüm – verpackte Verführung»: Schon der Titel ruft diverse Assoziationen hervor – von betörenden Düften, von Sinnlichkeit, von Wirkungsmacht. Kein Wunder, setzt doch die Kosmetikindustrie seit Beginn der modernen Parfümkunst um 1900 alles daran, mit ihren Produkten ein bestimmtes Image zu verkaufen. Die Verführerin, der Dandy, die Athletin – welchen Typ finden denn Sie «dufte»?
Die in der Schau präsentierte Kombination von Flacons mit den dazugehörigen Werbeplakaten macht deutlich, wie die Produzenten «ihren» Parfüms Menschenbilder zuordnen, um unser Verlangen nach einem Duft zu steigern – strategisch ausgeklügelt, zuweilen platt-plakativ und manchmal auch herrlich amüsant. Unterhaltsam und einfach irrsinnig ästhetisch geht es dann weiter, wenn Duftbehälter so arrangiert wurden, dass man erkennt, wo die Flacon-Gestalter ihre Ideen her nehmen. Die Pflanzenwelt ist naheliegend; doch da gibt es auch Fläschchen, die Schmuckstücken, Architektur, mystischen Symbolen oder gar Tieren nacheifern. Ein Flacon in Form eines fingergrossen Insekts? Na ja.
Ob man dann noch einen Blick in die Werkstatt des traditionsreichen Flaconherstellers Lalique wirft oder lieber seinen eigenen Duftcharakter erschnuppert – Langeweile kommt an dieser Kunstgewerbeschau garantiert nicht auf.



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