Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Aguirre, der Zorn Gottes

Übles Brüten

Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 08.06.2011

Unter der Regie von Werner Herzog spielt Klaus Kinski einen spanischen Eroberer, der auf einem Floss langsam in den Wahnsinn gleitet.

Klaus Kinski als spanischer Offizier auf ernsthafter Mission im Regenwald.

Klaus Kinski als spanischer Offizier auf ernsthafter Mission im Regenwald.

Aguirre, der Zorn Gottes

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Heute keine Vorführungen.

Nebel hängt über den Anden. Sind das Ameisen, die sich langsam einen der Hänge hinabbewegen? Nein, das sind «conquistadores», spanische Eroberer, die da mit Hunderten indianischer Sklaven unterwegs sind. Wir schreiben das Jahr 1560, die Spanier haben Peru bereits vor dreissig Jahren erobert, doch noch immer sind sie auf der Suche nach dem sagenhaften Land des Goldes, El Dorado.

Angeführt werden die Spanier von Gonzalo Pizarro. Der wurde zwar bereits 1548 hingerichtet, aber das ist dem Regisseur und Drehbuchautor Werner Herzog egal. Er will ja keinen historisch wahrheitsgetreuen Film drehen, sondern ist auf der Suche nach der «ekstatischen Wahrheit», wie er es nennt. Und allein diese ersten Bilder von «Aguirre, der Zorn Gottes», untermalt von den schwebenden Gitarrenklängen der Gruppe Popol Vuh, sind von einer Magie, die man nicht vergisst.

Entscheidend ist dabei die Arbeit von Kameramann Thomas Mauch: Mal zeigt eine unbewegte Kamera das Geschehen aus der Distanz, meist aber ist sie mittendrin und reisst uns Zuschauer mit hinein. Es dauert eine Weile, bis wir den Titelhelden, Don Lope de Aguirre, das erste Mal sehen, denn noch ist er bloss einer von vielen spanischen Offizieren. Als die Spanier, zu deren Trupp auch zwei adlige Damen in Sänften gehören, an einem Fluss zu Fuss nicht mehr weiterkommen, beschliesst Pizarro, vierzig Mann sollen auf Flössen erkunden, ob es stromabwärts Nahrung gebe und ob vielleicht dort irgendwo El Dorado liege.

Zu diesem Expeditionstrupp gehört Aguirre, der nach und nach alle Rivalen ausschaltet und sich in seinem Grössenwahn zum Zorn Gottes erklärt. «Aguirre» war die erste Zusammenarbeit von Werner Herzog und Klaus Kinski, und mit den beiden prallten die zwei grössten Spinner des deutschen Films aufeinander. Immer wieder kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen, doch letztlich wussten die beiden, dass sie füreinander gemacht waren.Aguirre hat nur wenig Text, meist darf der Wüterich nur schweigend brüten. Die Szene, in der Aguirre endgültig durchdreht, hatte sich Kinski als Wahnsinnsarie gedacht, in der er alle schauspielerischen Register ziehen würde. Das aber wollte Herzog nicht. Kinski tobte, ein, zwei Stunden lang. Dann war er erschöpft. Nun liess ihn Herzog die Szene noch einmal spielen: ganz leise und gefährlich. Sie ist genial.

Aguirre, der Zorn Gottes

Regie:Werner Herzog
Produktion:Germany, Mexico, Peru 1972; 90 min.
Genre:Adventure, Drama
Darsteller:Klaus Kinski, Alejandro Repulles, Cecilia Rivera, Helena Rojo, Edward Roland

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