Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Die Kinder vom Napf

Staunen wie ein Kind

Von Jérôme Stern. Aktualisiert am 30.11.2011

Die Dokumentarfilmerin Alice Schmid zeigt Naturgewalten und Alltag des Napfgebietes aus der Sicht der Protagonisten.

Dieses Mädchen geniesst jede Sekunde seines Tuns.

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Die Kinder vom Napf

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Es ist noch finstere Nacht; Kinder stapfen durch eisige Kälte und tiefen Schnee. Die Lichtkegel ihrer Taschenlampen ertasten den Weg zwischen Schneewänden und Abgrund. Endlich gelangen sie zur winzigen Seilbahn, die sie nach Romoos bringen wird. In der Morgendämmerung erreichen sie schliesslich das dortige Schulhaus.

Schon in der ersten Sequenz begibt sich die Kamera von Alice Schmid auf Augenhöhe der Kinder. Unaufgeregt und mit zärtlichem Einfühlungsvermögen begleitet sie die Knirpse und führt das Publikum mit jedem Bild tiefer in deren Alltag. Dabei verzichtet die Regisseurin auf jeglichen Kommentar und lässt stattdessen einfach die Kinder erzählen: «Im Änziloch entstehen die Gewitter. Die Talherren müssen Steine hochstossen, immer wenn sie fast oben sind, fallen die Steine wieder runter. Das ist der Donner.»

So nimmt der Film die Zuschauer an der Hand und führt sie durch 365 Tage auf dem Napf. Sie erleben – wie Kinder unter anderen Kindern – die vier Jahreszeiten. Vom Guetslibacken im Advent, von der Geburt eines Kalbes im Frühling, der Mäusejagd im Sommer bis zum ersten Schnee im folgenden Herbst; die Bilder riechen förmlich nach feuchter Erde oder trockenem Stroh.

Seit ihrer ersten Fernsehreportage von 1993 hat sich Alice Schmid immer den Kindern gewidmet. Nach 20 Jahren Dreharbeiten in Afrika, Asien und Südamerika hat sie sich nun endlich einen alten Wunsch erfüllt und einen Kinofilm über das Napfgebiet gedreht; einen Film, der uns wie mit Kinderaugen staunen lässt. Was kann man vom Kino mehr verlangen?

Die Kinder vom Napf

Regie:Alice Schmid
Produktion:Switzerland 2011; 85 min.
Genre:
Erstaufführung:01.12.2011

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1 KOMMENTARE

Elisabeth Schaller

star4

Beeindruckend, herzerwärmend, ermutigend - das harte Bergbauerndasein heutiger Kinder, die dieses naturnahe Leben in allen Nuancen als völlig selbstverständlich und durchaus schön erleben: Für mich Anlass, über die Lebensumstände und Ansprüche anderer Kinder in unseren Städten und Agglomerationen nachzudenken und ihnen einwenig von dieser Lebensqualität und Lebensfreude zu wünschen!



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