Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Cave of Forgotten Dreams

Staunen Sie jetzt!

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 11.01.2012

In 3-D filmt Werner Herzog eine Höhle mit Tiermalereien aus der Altsteinzeit. Das ist grandios.

In 3-D können wir das leider nicht bringen. Dafür müssen Sie schon ins Kino gehen.

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Cave of Forgotten Dreams

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Niemanden würde verwundern, stünde unter einer der atemraubenden Malereien in der Chauvet-Höhle in Südfrankreich: «Für Werner Herzog.» Die rund 35 000 Jahre alten Darstellungen von Mammuts, Höhlenlöwen und Wollnashörnern nämlich sind die ältesten bekannten Höhlenmalereien und damit wie geschaffen für den verrückten Dokumentarfilmemacher und Sagenbauer Werner Herzog («Grizzly Man»).

Nur Herzog schafft es, den Besuch einer legendären Höhle selbst zur Legende zu machen: Bei ihm wird Staunen angesichts der Wunder zum Imperativ, wobei unklar bleibt, welches das grössere Wunder ist: Werner Herzog oder die Höhle.

Denn hier leuchtet alles mythisch. Einem Herzog aber bleibt der Mund nur eine Zeit lang offen stehen. Dann beginnt sein raunendes Gemurmel: Sein Team sei das allererste, das in dieser Höhle filmen dürfe; aber nur während kurzer Zeit und auf einem genau vorgeschriebenen Weg.

Auf den Höhlenwänden jedenfalls sieht man den Bison mit acht Beinen, der zu laufen scheint; man sieht die Wildpferde, die Hyäne, die Frau mit dem Bisonkopf: Die Gestalter dieser überwältigenden Malereien nutzten die Formen der Felsen, um Bewegung zu simulieren. Und um das zu vermitteln, setzt Herzog mit gutem Grund 3-D-Kameras ein.

Tatsächlich sieht er in den galoppierenden Tierbildern nicht weniger als die paläolithische Wiege des Kinos. Mit seinem grandios spekulativen Dokumentarfilm schliesst sich sozusagen ein menschheitsgeschichtlicher Kreis. Darauf kann eigentlich nichts mehr folgen – ausser einer fabelhaften herzogschen Schlusspointe.

14.15, 17.15 Uhr

Cave of Forgotten Dreams

Regie:Werner Herzog
Produktion:Canada, France, Germany, UK, USA 2010; 90 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:12.01.2012
Darsteller:Werner Herzog, Dominique Baffier, Jean Clottes, Jean-Michel Geneste, Carole Fritz

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