Problemfilme? Nein danke!
Von Murièle Weber. Aktualisiert am 27.04.2011
Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise, des Zweiten Weltkriegs?– und der Screwball-Komödien. Doch John L. Sullivan, Regisseur von Komödien wie «Ants in Your Plants», will diesmal einen sozialkritischen Film mit dem Titel «O Brother, Where Art Thou?» drehen. Realistisch soll er sein, das Elend der Menschen zeigen, eine Antwort auf den Kommunismus sein und der Welt einen Spiegel vorhalten. «But with a little sex in it», kommentiert ein Studioboss, als Sullivan seine Idee vorschlägt. Schliesslich soll sich das Ganze auch verkaufen lassen. Sullivan aber will auf keinen Fall nochmals einen lustigen Film drehen: Die Lage ist ernst, und so sollten auch die Filme sein. Deshalb will er sich als Landstreicher gekleidet auf den Weg machen, um Armut und Elend am eigenen Leib zu erfahren.
Bereits in dieser Eröffnungsszene zeigt sich Preston Sturges’ grosses Talent als Drehbuchautor. Er war ein Meister des verbalen Schlagabtausches. Als Filmheld Sullivan später ein Mädchen trifft und sie beide aufgrund eines Missverständnisses verhaftet werden, fragt ihn der ermittelnde Polizist: «Und wie passt das Mädchen da rein?» Sullivan, durch und durch Filmer, antwortet: «Ein Mädchen passt immer rein. Gehen Sie denn nie ins Kino?»
Als Regisseur schafft es Sturges, verschiedene Genres miteinander zu verbinden. Er lässt Sullivan vier Reisen unternehmen, die wie Filme aufgebaut sind und von denen jeder einen eigenen Tonfall hat. Am Ende seiner Fahrt erkennt Sullivan, dass die Armen keinen Film über Armut und Elend brauchen, sondern Filme, die sie zum Lachen bringen.
Regisseur Sturges hatte diese Lektion nicht nötig. Er lässt in «Sullivan’s Travels» kaum eine Gelegenheit aus, sein Publikum zu amüsieren. Etwa mit einer absurden Verfolgungsjagd: Medienleute sind Sullivan in einem voll ausgestatteten Wohnwagen auf den Fersen. Er will sie loswerden und lässt sich von einem 13-jährigen Jungen in einem Affentempo über Stock und Stein fahren. Was dazu führt, dass die Insassen des Verfolgerwohnwagens wie Spielfiguren durcheinanderpurzeln. Die einzige Frau zeigt unfreiwillig ihre blütenweisse Unterwäsche, und dem Koch fliegen die Küchenutensilien um die Ohren. Slapstick in Reinform.
Der Film «O Brother, Where Art Thou?» wird dann doch nicht gedreht. Jedenfalls nicht von Sullivan. Sechzig Jahre später holen das die Coen-Brüder nach. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mo 2.5., 18.15; Mi 4.5., 20.45; Fr 6.5., 18.15 Uhr



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