«Meine Gefühlssprache ist halt finnisch»
Von Mit Kati Outinen sprach Christoph Schneider. Aktualisiert am 28.09.2011
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Trailer
Kati Outinen, Kaurismäkis Muse.
Le Havre
Ein afrikanischer Flüchtlingsbub braucht Hilfe in der kalten Normandie, und ein grundanständiger Mann (André Wilms) hilft ihm, einfach weil er das für selbstverständlich hält. So einfach ist es in «Akilandia», das dieses Mal in Frankreich liegt: Das Leben ist dort nicht fairer als anderswo. Aber die, die auch nicht auf Rosen gebettet sind, gehen sehr höflich mit denen um, denen es noch schlechter geht. Und es geschehen die kleinen Wunder der Solidarität. Kati Outinen, Kaurismäkis Lieblingsschauspielerin, spielt in dieser Geschichte nur eine Nebenrolle. In ihrem Gesicht jedoch spiegelt sich der wundervolle, ein wenig nostalgische Charakter dieses Films: eine Menschenfreundlichkeit ohne Sentimentalität und Wehleidigkeit. (csr)
In den 90er-Jahren hat Aki Kaurismäki eigentlich beschlossen, nie mehr ausserhalb von Finnland zu drehen. Jetzt hat er es trotzdem getan, und Sie hat er mitgenommen. Haben Sie darüber diskutiert?
Er brauchte mir nichts zu erklären. Ich wusste immer, wie sehr ihn Frankreich anzieht, seit seinem ersten Drehbuch, dessen Geschichte in Paris endet, am Gare du Nord, als Ziel, wo man endlich Freiheit findet. Und in all seinen Filmen ist Finnland ja weiss Gott nicht nur ein Land, wo man bleiben und leben will, sondern auch eins, das man verlassen möchte.
Für Sie bedeutete das nun, in einer fremden Sprache zu arbeiten. Welchen Einfluss hatte das auf Ihre Art zu spielen?
Es war hart, offen gesagt. Ich liebe die französische Sprache, aber ich beherrsche sie nicht sehr gut, sogar schlechter, als ich mir eingebildet habe - und mit dieser Tatsache sah ich mich plötzlich konfrontiert. Französisch ist wie Musik für mich, ich versuchte also, die richtige Melodie zu spielen. Und dennoch sagte Aki einmal zu mir: «Ich hatte gedacht, du kannst es besser.» &endash «Ich auch», sagte ich. Und ein Zweites kam dazu: Oft hatte ich den Eindruck, die Franzosen stellen immer gleich auf Englisch um, wenn sie merken, jemand spricht ihre Sprache nicht perfekt. Oder sie zeigen dir sogar eine gewisse Verachtung. Deswegen war immer eine Angst bei mir da, jemanden zu enttäuschen.
Auch gegenüber den französischen Kollegen?
Die waren reizend und hilfsbereit. Sehen Sie: Die szenischen Arrangements waren kein Problem, Aki ist da sehr präzis. Aber wenn es um Emotionen geht, ist meine Gefühlssprache halt Finnisch, und manchmal dachte ich: Es geht nicht. Da wars gut zu spüren, dass Schauspieler so etwas wie eine globale Familie sind. Oder besser gesagt, es gibt in Frankreich und Finnland und überall solche von meiner Art und solche von einer anderen Art. Diese Kollegen waren von meiner.
Zu Schauspielerinnen Ihrer Art gehört die mimische Zurückhaltung, könnte man sagen. Und Sie hatten bei Kaurismäki auch selten so viel Dialog wie hier ...
Das stimmt. Es war eine Herausforderung, und ich habe mir einige Sorgen gemacht wegen der Dialogmenge. Ich erkläre meine Figuren nämlich nicht gern mit Worten, weder in der Rolle noch ausserhalb. Ich glaube an eine wortlose Übereinkunft mit dem Publikum, dass ich so klar spiele, dass man mich unmittelbar versteht.
Die Atmosphäre in «Le Havre» wirkt, als wäre man in den Fünfzigerjahren. Das Thema, die Flüchtlingsproblematik, ist aber sehr heutig. Passt das für Sie zusammen?
Und wie. Seit 30 Jahren dreht Aki Kaurismäki in diesem Retro-Stil, und jetzt ist der Stil in der Gegenwart angekommen, als Vintage-Mode und als moderne ökologische Botschaft: Werft nicht immer gleich alles weg! Und zur ökologischen kommt die einfache, aktuelle politische Botschaft: Tragt Sorge zueinander! Aki ist ganz unzynisch und optimistisch in diesem Film. Zynisch zu sein, wäre leichter gewesen. Ich bewundere seinen Mut.
Le Havre
| Regie: | Aki Kaurismäki |
| Produktion: | Finland, France, Germany 2011; 103 min. |
| Genre: | Comedy, Drama |
| Erstaufführung: | 29.09.2011 |
| Darsteller: | André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo |
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2 KOMMENTARE
Ein wunderbarer Film in dem man sich wohlfühlt und sich fragt: Warum könnte es nicht in Wirklichkeit so sein? Herliche Schauspielerm in grossartigen Porträts.




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