Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Safe House

«Keine Angst, Junge!»

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 23.02.2012

Für seine Rolle als zwielichtiger Ex-Agent in «Safe House» liess der Schauspieler Denzel Washington sogar die Waterboarding-Folter über sich ergehen.

So cool Washington in seiner Rolle wirkt, so anstrengend ist die Sache für Ryan Reynolds.

So cool Washington in seiner Rolle wirkt, so anstrengend ist die Sache für Ryan Reynolds.

Safe House

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Safe House

In Kapstadt ist ein junger US-Geheimagent (Ryan Reynolds) in einem Safe House stationiert, wo mutmassliche Terroristen verhört werden. Nachdem ein Staatsfeind (Denzel Washington) einquartiert worden ist, stürmen Unbekannte das Gebäude. Dem Geheimagenten gelingt zusammen mit dem Verbrecher die Flucht. Als korrupter Polizist in «Training Day» gewann Denzel Washington einen Oscar. Für zwielichtige Figuren ist er ein sicherer Wert. Der Schwede Daniel Espinosa hat den Handkamera-Spezialisten Oliver Wood («Bourne»-Filme) engagiert, und so gilt Tempo Teufel. Die Hochgeschwindigkeitsinszenierung reisst fast bis zum Schluss mit; dann traut sich das Skript zu wenig, und «Safe House» geht zu sehr auf Nummer sicher. (ase)

Denzel Washington, in «Safe House» wird die von Ihnen gespielte Figur mit Waterboarding gefoltert. Sie haben die Tortur wirklich über sich ergehen lassen. Wie haben Sie es überstanden?
Ich bin ein guter Schwimmer, das hat geholfen. Denn wichtig ist, dass man die Atmung unter Kontrolle hat. Atmet man abrupt ein, hat man ein Problem. Beängstigend ist aber auch die Desorientierung: Man wird mit dem Kopf nach unten hingelegt und verliert das Raumgefühl.

Wie lange haben Sie durchgehalten?
Na ja, lange habe ich es nicht geschafft. Lustig war aber auch, wie sich die Leute am Set wegen mir schlecht gefühlt haben. Der Schauspieler, der das Wasser über mich giessen sollte, stammelte: «Das kann ich doch nicht machen!» Ich ermunterte ihn: «Keine Angst, Junge, lass es fliessen!»

Sie spielen einen zwielichtigen Ex-Agenten. Was ist das für ein Typ?
Er ist ein Soziopath. Der Mann hat kein Gewissen, ist erbarmungslos, übrigens ein dezidierter Atheist. Ganz gleich, wie tief er in der Klemme steckt, er glaubt, die Oberhand zu haben, immerzu versucht er, die Menschen um ihn herum zu manipulieren.

Zum Beispiel?
In der Waterboarding-Szene sagt er zu seinen Folterern: «Ihr benutzt die falschen Handtücher.» Als ob er derjenige wäre, der die Kontrolle über die Situation hat. Allerdings macht er auch eine interessante Entwicklung durch: Auf Seite acht des Drehbuchs versucht er, einen Typen umzubringen, auf Seite vierzig verschont er den Mann – und auf Seite hundert eilt er ihm schliesslich zu Hilfe.

Sie bereiten sich akribisch auf Rollen vor. Wie oft haben Sie das Drehbuch gelesen?
Zusammen mit dem Regisseur und zwei, drei Autoren haben wir für mehrere Monate an dem Skript gefeilt. Am Ende hatte ich es an die hundertmal gelesen.

Sie haben in einer Township in Südafrika gedreht. Wie war das?
Das sind meine Leute, da fühle ich mich wohl. Ich war bei vielen Menschen zu Hause, wurde zum Abendessen eingeladen. Einmal haben wir einen Lastwagen mit Eiscreme für die Kinder organisiert. Ein kleines Mädchen hatte noch nie zuvor Glace gegessen, es hat nicht verstanden, dass es schmilzt, und so hat es die ganze Glace über die Hände und das Gesicht verteilt.

Auch ein Filmdreh war für die meisten Bewohner wohl eine neue Erfahrung.
Während einer Woche drehten wir eine Actionszene, bei der wir nachts schiessend über die Häuser rannten. Zweitausend Leute schauten zu – und sobald der Regisseur «Schnitt» rief, fingen alle an zu klatschen.

In den Achtzigern realisierten Sie in Zimbabwe das Apartheid-Drama «Cry Freedom». Hätten Sie es damals für möglich gehalten, eines Tages in Südafrika zu drehen?
Man hat mir seinerzeit deutlich zu verstehen gegeben, was passieren würde, wenn ich einen Fuss nach Südafrika setze

Die Weissen haben Ihnen gedroht?
Auch in Zimbabwe konnten wir nur mit einem grossen Sicherheitsaufgebot drehen. 1995 war ich zum ersten Mal in Südafrika. Ich war mit Bischof Desmond Tutu frühstücken und mit Präsident Mandela mittagessen. Was für ein Tag! Später hat Mandela meine kleinen Zwillinge kennen gelernt, sass am Boden und hat mit ihnen gespielt. Fünf Jahre später rief mich Mandela an und sagte: «Ich komme dich in Amerika besuchen. Deine Frau hat mir versprochen, dass sie für mich kochen wird.» Ich stammelte: «Äh, yes, Sir!»

Kam er?
Klar. Wir haben 50 Leute eingeladen. Ich habe meinen Kindern gesagt, sie sollen je zwei Freunde mitbringen: Das war ein Erlebnis, das es zu teilen galt.

Bald finden Wahlen in den USA statt. Unterstützen Sie einen Kandidaten?
Selbstverständlich gehe ich wählen!

Man hört von Ihnen kaum politische Statements
Ich bin Schauspieler, ich halte keine Reden. Ich höre mir alle Seiten an, dann erlaube ich mir ein Urteil.

Wie fällt das Urteil dieses Mal aus?
Obama verdient eine zweite Chance.

Safe House

Regie:Daniel Espinosa
Produktion:South Africa, USA 2012; 116 min.
Genre:Action, Crime, Mystery, Thriller
Erstaufführung:23.02.2012
Darsteller:Denzel Washington, Ryan Reynolds, Vera Farmiga, Brendan Gleeson, Sam Shepard

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1 KOMMENTARE

Andreas Müller

29.02.2012, 21:47
star1

Von Denzel Washington ist seit "American Gangster" leider nichts schlaues mehr gekommen und auch "Safe House" tut man sich besser nicht an. Eine an den Haaren herbeigezogene Story mit gesuchter, an Oberflächlichkeit nicht zu überbietenden Gesellschaftskritik, die im Fall der Waterboarding-Szene gar ins Lächerliche abdriftet, wird in diesem Streifen mit einer unglaudwürdigen Liebesgeschichte und einer derart simplen Machart kombiniert, dass man das Geld besser in Billigbier aus dem lokalen Supermarkt gesteckt hätte. Alles in allem hat der Film dennoch das Zeug zum Kassenschlager, der in der deutschen Version das Abaton 1 noch lange belegen könnte. Schliesslich darf hier auch der Hinterletzte wieder einmal zu Recht behaupten, den Ausgang schon von Anfang an vorhergesehen zu haben. Schl



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