«Ich durfte weinen, und alle haben geklatscht»
Aktualisiert am 08.12.2011
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Emma Stone.
The Help
Eine junge angehende Autorin (Emma Stone) kehrt in ihre Heimatstadt in den Südstaaten zurück. Es sind die von Rassismus geprägten Sechzigerjahre: Die schwarzen Hausangestellten werden schikaniert, müssen sogar separate Toiletten benutzen. Dies schockiert die weisse Frau so sehr, dass sie die Hausmädchen interviewt, um deren Leben zu dokumentieren. Damit bringt sie einen Stein ins Rollen.
«The Help» war in den USA die Überraschung des Sommers: Die Bestsellerverfilmung kostete 25 Millionen Dollar und spielte 170 Millionen ein. Tate Taylor, der sich bisher eher als Schauspieler hervorgetan hat («Winter’s Bone»), rollt dieses beschämende Kapitel der US-Geschichte mit viel Humor auf und sieht nicht alles nur schwarz-weiss. (ase)
«The Help» erzählt von der Rassendiskriminierung in den USA der Sechzigerjahre, nur 25 Jahre vor Ihrer Geburt. Gibt Ihnen das zu denken?
Und wie! Noch in den Achtzigerjahren gab es in gewissen Schulen Rassentrennung. Und wir tun uns ja immer noch schwer mit Bürgerrechten. Nehmen Sie nur die Schwulen, die nicht heiraten dürfen. Ich finde diese Ignoranz zum Kotzen.
Als Sie in die Schule gingen, wurde da dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Geschichte behandelt?
Nur am Rande. Wir erfuhren mehr über die alten Griechen als über die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks.
Sie sind in Arizona aufgewachsen, einem sehr konservativen Staat
Arizona ist bis zum heutigen Tag ein grauenhaft intoleranter Staat. Arizona ist ein absurder Ort, mitten in der Wüste, quasi ein kleines Dubai. Jedes Mal, wenn ich dahin zurückkehre, hat es noch mehr Strassen und immer neue Stadtteile, die aus dem Boden gestampft wurden. Gebäude wie von der Stange. Ausserdem dieser unvorstellbare Mangel an Kultur! Und dann gehen Sie als Kind zum ersten Mal nach New York und nehmen all diese Kultur wahr, erleben diesen Schmelztiegel.
Sie wollten schon mit 15 Schauspielerin werden. Warum?
Ich war ein sehr emotionales Kind. Mehr noch: Ich hatte starke Ängste, Panikanfälle, Agoraphobie, befürchtete ständig, das Haus würde abbrennen. Mit acht kam ich für ein paar Jahre in Therapie. Ich war ein kleiner Woody Allen. Im Theater traf ich auf Leute, denen es ähnlich erging. Mit Schauspielern kann man über Ängste reden. Ich durfte weinen – und alle haben geklatscht.
Als Schauspieler muss man ein bisschen krank sein?
Je dysfunktionaler man ist, desto besser. Als ich mit Jesse Eisenberg «Zombieland» drehte, haben wir herausgefunden, dass wir beide mit acht unseren erste Panikanfall hatten.Aber Schauspielerei ist doch ein bekannt harter Beruf. Sind Sie nicht zu fragil dafür?Nein, ich möchte nicht abgehärtet werden. Natürlich gibt es Schauspieler, die eine Haut wie ein Rhinozeros entwickeln, um sich in dem Geschäft durchzuschlagen. Aber irgendwann sind diese Leute zu keinen Emotionen mehr fähig. Und das sieht man dann auch auf der Leinwand.
Was erhoffen Sie sich von «Spider-Man»?
Ich habe gelernt, dass immer alles anders kommt, als ich es erwartet habe. Mit 13 bekam ich einen Telefonanschluss in meinem Zimmer und dachte, ich würde all die Nächte nur noch telefonieren. Allerdings rief dann keiner an. Nachdem ich den Führerschein gemacht hatte, nahm ich mir vor, überall hinzufahren. Am Ende wollte ich nur noch zu Hause sein. Bei «Spider- Man» hoffe ich einfach, dass wir die Erwartungen der Fans erfüllen. Über alles Weitere mache ich mir keinen Kopf.
The Help
| Regie: | Tate Taylor |
| Produktion: | India, USA 2011; 88 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 08.12.2011 |
| Darsteller: | Emma Stone, Viola Davis, Bryce Dallas Howard, Octavia Spencer, Jessica Chastain |
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4 KOMMENTARE
Trotz Anstrengungen, The Help als eine progressive Geschichte des Triumphs über den Rassismus zu vermarkten, verzerrt der Plot, ignoriert und verharmlost er die Erfahrungen der afroamerikanischen Hausangestellten, die meist nicht nur wie Haussklaven gehalten wurden, sondern oft von ihren weissen Arbeitgebern sexuelle Belästigung erdulden mussten. Schwarze Männern hingegen werden meist grausam dargestellt oder sind überhaupt nicht vorhanden. Eine typische Hollywood-Abflachung der Geschichte, mit mächtigen Schurken und entrechteten Helden oder rebellische Southern Belle rettet schwarze Hausangestellte. Die Preis für den Erfolg der weissen Journalistin wird jedoch von den entlassenen Hausangestellten bezahlt – immerhin hier weicht der Film etwas vom Klischee ab.
"Help" hätten die Vertreter von Black Power einen "Onkel-Tom-Film" genannt: "Onkel Tom" ist die abwertende Bezeichnung für einen sich den Weissen sklavisch unterordnenden Afroamerikaner. Retten muss die Schwarzen dann natürlich eine Weisse - und erst noch Plantagenbesitzerstochter (weil die Afros doch selber nichts zustande bringen?). Die Kaukasier, so werden politisch korrekt die Europäischstämmigen genannt, werden durch diesen Film reingewaschen: obwohl die Sklaverei nach ihrer Abschaffung in den Südstaaten de facto weiterbesteht, und niemand dagegen angeht, sind nur ein paar verbohrte Weisse schuld... Netter Freitagabend-Film, in welchem die unterdrückerische Rolle der schweigenden Mehrheit der Weissen nicht angesprochen wird.
"Help" hätten die Vertreter von Black Power einen "Onkel-Tom-Film" genannt: "Onkel Tom" ist die abwertende Bezeichnung für einen sich den Weissen sklavisch unterordnenden Afroamerikaner. Retten muss die Schwarzen dann natürlich eine Weisse - und erst noch Plantagenbesitzerstochter (weil die Afros doch selber nichts zustande bringen?). Die Kaukasier, so werden politisch korrekt die Europäischstämmigen genannt, werden durch diesen Film reingewaschen: obwohl die Sklaverei nach ihrer Abschaffung in den Südstaaten de facto weiterbesteht, und niemand dagegen angeht, sind nur ein paar verbohrte Weisse schuld... Netter Freitagabend-Film, in welchem die unterdrückerische Rolle der schweigenden Mehrheit der Weissen nicht angesprochen wird.




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