Tages-Anzeiger



Kino Aktuell Carnage

«Ich blieb im Dunkeln und ass Käse»

Von Mit John C. Reilly Sprach Simone Meier. Aktualisiert am 30.11.2011

Warum Charakterdarsteller Reilly nach den Dreharbeiten zu Polanskis «Carnage» ganz gern in die USA zurückkehrte.

John C. Reilly und Jodie Foster ergehen sich in einen Disput.

John C. Reilly und Jodie Foster ergehen sich in einen Disput.

Carnage

User-Rating


Wo & Wann

Zürich · Winterthur · Region HeuteKalender
Heute keine Vorführungen.

Trailer

Der TV-Player ben&oouml;tigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Der Schauspieler John C. Reilly

Carnage

Ein Kind schlägt einem anderen mehrere Zähne aus. Die Eltern des Opfers (Jodie Foster und John C. Reilly) laden deshalb die Eltern des Täters (Kate Winslet und Christoph Waltz) in ihre Stube, um die Sache zu diskutieren. Bald fliegen die Fetzen. Lustvoll adaptiert Roman Polanski das Bühnenstück «Der Gott des Gemetzels» von Yasmina Reza für die Leinwand. Mehrmals verabschiedet sich das besuchende Paar, bleibt dann aber doch, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf: Bald weicht bemühte Freundlichkeit der schieren Primitivität. Vieles ist absehbar in dieser Demontage linksbürgerlicher Haltungen, aber Waltz hat die Herrschergestik des breitbeinigen Blackberry-Mannes bestens drauf, während Jodie Foster bis zum roten Bereich aufdreht. 79 Minuten kurz. (blu)

In «Carnage» treffen Sie mit Ihrer Filmgattin Jodie Foster auf Christoph Waltz und Kate Winslet, und man verkracht sich fröhlich über Erziehungs- und Ehefragen. Ist das realistisch?
Ach, wenn genug Scotch im Spiel ist

Sie haben wochenlang miteinander auf einem Pariser Studiogelände in derselben Wohnung gearbeitet. Wurden Sie da nicht klaustrophobisch?
Als wir den Drehort zum ersten Mal betraten, dachten wir: «Wow, wie schön, was für ein tolles Klubhaus, um hier acht Wochen zu verbringen!» Das Schlafzimmer wurde zu unserem Aufenthaltsraum, dort wurde fast nicht gedreht. Aber nach etwa zwei Wochen fühlten wir uns wie in einem goldenen Käfig. Ich hatte einen Roller dabei, damit ich in den Pausen schneller durch die Studiogänge nach draussen rasen konnte. Wenigstens auf den Parkplatz.

Wie haben Sie sich danach erholt?
Ich habe aufgehört, Käse zu essen. Ich hatte mich in Paris ja völlig pariserisch ernährt Und ich ging endlich wieder ohne Sonnenhut und Sun-Blocker an die Sonne. Wir hatten ja wochenlang nicht an die Sonne gedurft. Und so war ich im Dunkeln geblieben und hatte Käse gegessen.

Wir sehen Sie wie im demnächst anlaufenden «We Need to Talk About Kevin» auch hier als Familienvater. Ein Zufall?
Ich bin Vater, ich bin Ehemann, und ich glaube, es gibt eben im Leben eine gewisse Gleichzeitigkeit von beruflichen und privaten Ereignissen. Obwohl ich mich natürlich frage, weshalb ich nicht als jugendlicher Liebhaber in einem schönen Teenie-Drama besetzt werde

Wie kamen Sie selbst eigentlich zum Drama?
Ich war immer ein Chamäleon. Ich fand Kids, die kifften, cool. Dann andere, die Heavy Metal hörten. Oder Schach spielten. Ich habe mich da immer angepasst, ohne mich richtig mit ihnen zu identifizieren. Aber dann hatte ich diesen exzentrischen Freund, der sagte: «Komm mit, wir haben da diese Theatergruppe im Park!» Ich ging mit, und ich wusste: Das war meine Welt! Ich konnte von Berufs wegen ein Chamäleon sein!

Jahrzehntelang waren Sie Hollywoods Mann für Nebenrollen
Jahrzehnte! Ach! So alt bin ich! Mindestens fünf oder sechs Jahrzehnte!

Pardon, viele Jahre lang. Und plötzlich gibt Ihnen Roman Polanski eine Hauptrolle.
Ich habe jetzt gegen fünfzig Filme gemacht und will nur noch mit Leuten zusammenarbeiten, die mich auch wirklich, wirklich wollen. Aber von einem Projekt wie «Carnage» hätte ich nicht zu träumen gewagt. Ich sass zu Hause, dachte wieder einmal: «Okay, du hast einen guten Lauf gehabt, aber jetzt bist du am Ende deiner Karriere, niemand wird je wieder anrufen, vielleicht solltest du besser an Dorftheatern Regie führen.» Und dann klingelte das Telefon, und es hiess: «Du gehst für acht Wochen mit Roman Polanski nach Paris!» Ich konnte nur noch lachen.

Carnage

Regie:Roman Polanski
Produktion:France, Germany, Poland 2011; 79 min.
Genre:Comedy, Drama
Erstaufführung:01.12.2011
Darsteller:Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly, Eliot Berger

Kommentar schreiben / Rating abgeben 







Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.


Bestätigen

3 KOMMENTARE

Muuwi Gucker

star4

Ausgezeichneter "low Budget" Film. Grosses Theaterstück auf Leinwand!


Michael Wentzel

star1

Hammer Schauspieler und interessantes Stück, fast wie Theater !


Jutta Maier

star3

Charakterdarsteller? DER? Darunter versteh ich was anderes...



Der Züritipp auf Twitter

twitter.com/zueritipp_

Täglicher Newsletter

  • Von klein auf kompetent: Der «züritipp» Newsletter bringt Ihnen täglich Tipps für Kino, Musik, Theater, Kunst & Gastro.
    E-Mail:

Kalender

The contents of this div will be replaced by the inline datePicker.



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten