Tages-Anzeiger



Kino Aktuell A Separation

Hochdruck

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 07.09.2011

Ein Trennungsdrama wird zum Justizthriller. In Berlin wurde das Werk des Iraners Asghar Farhadi «A Separation» mit dem Goldenen und zwei Silbernen Bären ausgezeichnet.

Ungemach droht zwischen dem verlassenen Mann und seiner Haushalthilfe.

Ungemach droht zwischen dem verlassenen Mann und seiner Haushalthilfe.

A Separation

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Zu Beginn sitzen Nader (Peyman Moadi) und Simin (Leila Hatami) in Teheran vor Gericht. Durch die Art, wie sie ins Bild gesetzt werden, sehen wir sie, als seien wir die Richter. Simin möchte den Iran verlassen, um ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Nader aber will nicht mit ausreisen, weil er dadurch seinen dementen Vater, der bei der Familie wohnt, im Stich liesse. Simin will sich deshalb von ihm trennen und verlangt die Scheidung. Wie der Richter diese ablehnt, zieht Simin aus, die Tochter aber bleibt beim Vater.

Präzis inszeniert Regisseur und Autor Asghar Farhadi («About Elly») die hektischen Wortwechsel der mittelständischen Eltern. Fieberhaft rasch jedoch entwickelt sich das iranische Ehedrama zu einer Geschichte um Schuld und Lüge. Der Druck steigt, bis die Spannung kocht.

Vor ihrem Auszug hat Simin ihrem Mann noch die gläubige Muslimin Razieh vermittelt, die sich um seinen Vater und die Tochter kümmern soll. Doch als Nader eines Tages heimkehrt, liegt sein Vater bewusstlos am Boden. In seiner Wut setzt Nader Razieh so rabiat vor die Tür, dass sie sich verletzt. Gemeinsam mit ihrem Mann zeigt sie ihren Arbeitgeber darauf an, die beiden Männer geraten aneinander und müssen sich schliesslich im winzigen Büro eines Richters verteidigen.

In das Gewirr aus Lügen und Beschuldigungen wird auch Simins und Naders Tochter hineingezogen: Sagt der Vater nicht alles, was er weiss? Hat sich die Pflegerin tatsächlich verletzt, oder tut sie nur so? Will sie Schmerzensgeld herausholen? Trägt Simin durch ihre Abreise Mitschuld?

Raffiniert spart Farhadi zentrale Ereignisse aus, um dem Geschehen dann eine unerwartete, dramatische Wendung zu geben. Dies gilt ganz besonders für den verblüffenden Schlussschlenker.

Dabei interessiert sich der Regisseur nicht nur für den Rosenkrieg von Nader und Simin: Mit der Pflegerin und ihrem Mann werden Figuren aus anderen Schichten in Naders Alltag hineingezogen. So entsteht eine gesellschaftliche Skizze Teherans. Farhadis Werk belegt nicht nur erneut die aussergewöhnliche Erzählkraft des iranischen Kinos, sondern erweist mit seinen Twists auch Genrefilmen aus Hollywood die Reverenz: ein Trennungsdrama als Justizthriller. An der Berlinale ging der Goldene Bär an den Film; das Schauspielerinnen- und das Schauspieler-Ensemble erhielten je einen Silbernen Bären.

15, 17.45, 20.30 Uhr Sa 11 Uhr als Cinépassion Special mit psychoanalytischem Input und anschliessender Diskussion

A Separation

Regie:Asghar Farhadi
Produktion:Iran 2011; 123 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:08.09.2011
Darsteller:Sareh Bayat, Sarina Farhadi, Leila Hatami, Kimia Hosseini, Shahab Hosseini

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1 KOMMENTARE

Georges Zelger

star5

Ein aussergewöhnlicher Film !



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