Himmel über Texas
Von Kathrin Halter. Aktualisiert am 08.02.2012
Gibt es diese Landschaften tatsächlich? Diese amerikanische Weite in Cinemascope, den Himmel über Texas, die Canyons und die verlassenen Tankstellen? Oder existieren sie nur in der Vorstellung von Wim Wenders und seinem Kameramann Robby Müller? Wenders’ grosse Liebe zum mythischen amerikanischen Westen kommt in «Paris, Texas» jedenfalls so schön zum Ausdruck wie sonst nie. Und Ry Cooder hat dafür die kongeniale Musik geschaffen. Überwältigend werden auch Los Angeles und Houston ins Bild gesetzt, als filmische Fantasie aus Neonlicht, geschwungener Architektur und rot flammenden Sonnenuntergängen.
Aus einem lange wortlosen Spätwestern schält sich mit der Zeit ein Beziehungsdrama heraus: Travis (Harry Dean Stanton) irrt durch die texanische Wüste und wird halb verdurstet aufgegriffen. Mithilfe seines Bruders Walt findet der Verwirrte allmählich wieder in sein früheres Leben zurück. Da hat es einmal eine Familie gegeben: den achtjährigen Sohn, der bei Walt und dessen Frau in Los Angeles lebt. Und Travis’ frühere, viel jüngere Frau Jane (Nastassja Kinski), die Travis schliesslich in einer Peepshow in Houston aufspürt.
Die Begegnung mit Jane spaltet das Publikum von «Paris, Texas» in Bewunderer und Verächter. In langen Monologen von Drehbuchautor Sam Shepard versucht das Paar, zu klären, was bei der traumatischen Trennung vor vier Jahren genau geschehen ist. Travis’ Beichte ist dabei nicht nur berührend, sondern auch unfreiwillig komisch. Sowie gesprochen wird, bekommt «Paris, Texas» ein Pathos, das dem Film und seinen zurück- haltend spielenden Darstellern sonst fehlt.
Do bis So 21.15 Uhr
Paris, Texas
| Regie: | Wim Wenders |
| Produktion: | France, UK, West Germany 1984; 150 min. |
| Genre: | Drama |
| Darsteller: | Harry Dean Stanton, Dean Stockwell, Socorro Valdez, Bernhard Wicki, Sam Shepard |




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